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Diagnose der eosinophilen Ösophagitis (EoE)

Moderne Diagnostik – der Schlüssel zu einer erfolgreichen Behandlung

Das Wichtigste auf einen Blick

Die Diagnose einer eosinophilen Ösophagitis (EoE) kann nicht allein anhand der Beschwerden gestellt werden. Auch wenn Schluckbeschwerden, steckenbleibende Nahrung oder wiederkehrende Speiseröhrenverengungen typische Hinweise sind, ist für eine sichere Diagnose immer eine Kombination aus Anamnese, hochwertiger Endoskopie und feingeweblicher Untersuchung (Histologie) erforderlich.

Gerade in frühen Krankheitsstadien kann die Schleimhaut der Speiseröhre nahezu unauffällig aussehen. Deshalb ist die standardisierte Entnahme mehrerer Gewebeproben (Biopsien) aus verschiedenen Abschnitten der Speiseröhre entscheidend. Ohne diese Biopsien bleibt die Erkrankung nicht selten unerkannt.

Im Zentrum für Endoskopie Starnberg orientieren wir uns an den aktuellen internationalen Leitlinien und legen besonderen Wert auf eine strukturierte Diagnostik, um eine EoE sicher von anderen Erkrankungen der Speiseröhre abzugrenzen.

Medizinisch geprüft von Prof. Dr. Martin Storr, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie. Update 05.08.2026


Ausführliche Informationen zur EoE erhalten sie unter EoE-Zentrum (Symptome-Diagnostik-Therapie)


Wann sollte eine EoE abgeklärt werden?

Viele Patientinnen und Patienten haben bereits eine längere Vorgeschichte hinter sich, bevor die richtige Diagnose gestellt wird. Häufig wurden die Beschwerden zunächst als Reflux, funktionelle Schluckstörung oder Stresssymptom interpretiert.

Eine gezielte Diagnostik sollte insbesondere erfolgen bei:

  • Schluckbeschwerden über mehrere Wochen oder Monate
  • Wiederkehrenden Episoden, bei denen Nahrung in der Speiseröhre stecken bleibt (Bolusimpaktion)
  • Wiederkehrenden Brustschmerzen ohne Hinweis auf eine Herzerkrankung
  • Refluxbeschwerden, die trotz Säureblockern bestehen bleiben
  • Wiederkehrenden Speiseröhrenverengungen
  • Allergischen Begleiterkrankungen wie Asthma, Neurodermitis oder Heuschnupfen
  • Familienangehörigen mit eosinophiler Ösophagitis

Je früher die Diagnose gestellt wird, desto größer ist die Chance, entzündliche Veränderungen zu behandeln, bevor dauerhafte Vernarbungen entstehen.


Das Erstgespräch – mehr als nur eine Anamnese

Eine sorgfältige Anamnese liefert häufig bereits wichtige Hinweise auf eine EoE. Viele Betroffene schildern zunächst nur allgemeine Schluckprobleme. Erst durch gezielte Nachfragen werden typische Verhaltensweisen sichtbar, die sich über Jahre entwickelt haben.

Wir fragen unter anderem:

  • Welche Lebensmittel bereiten Probleme?
  • Seit wann bestehen die Beschwerden?
  • Müssen Sie beim Essen häufig trinken?
  • Kommt es zum Hochwürgen von Nahrung?
  • Haben Sie schon einmal eine Notfall-Endoskopie wegen steckengebliebener Nahrung benötigt?
  • Bestehen Allergien oder atopische Erkrankungen?
  • Gibt es ähnliche Erkrankungen in der Familie?
  • Welche Medikamente wurden bereits ausprobiert und mit welchem Erfolg?

Diese Informationen helfen, die Wahrscheinlichkeit einer EoE einzuschätzen und die weiteren Untersuchungen gezielt zu planen.


Die Gastroskopie – zentrale Untersuchung bei Verdacht auf EoE

Die wichtigste Untersuchung zur Diagnose einer eosinophilen Ösophagitis ist die Magenspiegelung (Ösophago-Gastro-Duodenoskopie).

Mit einem hochauflösenden Endoskop kann die Schleimhaut der Speiseröhre direkt beurteilt werden. Dabei achten wir auf typische Veränderungen wie:

  • Längsfurchen (Longitudinalfurchen)
  • Ringbildungen (“Trachealisierung”)
  • Weißliche Beläge oder Exsudate
  • Schleimhautödeme
  • Fragile Schleimhaut mit Einrissen
  • Verengungen (Strikturen)
  • Kaliberverminderung der Speiseröhre

Wichtig ist jedoch: Eine unauffällige Endoskopie schließt eine EoE nicht aus. Gerade in frühen Krankheitsstadien können makroskopisch keine eindeutigen Veränderungen sichtbar sein. Deshalb dürfen Biopsien nicht nur bei auffälligem Befund entnommen werden.


Warum Biopsien unverzichtbar sind

Die feingewebliche Untersuchung ist der Goldstandard zur Diagnosestellung.

Bei einer EoE ist die Entzündung oft ungleichmäßig verteilt. Deshalb werden Gewebeproben aus mehreren Bereichen der Speiseröhre entnommen – sowohl aus dem oberen als auch aus dem mittleren und unteren Abschnitt.

Dieses standardisierte Vorgehen erhöht die diagnostische Sicherheit erheblich und entspricht den aktuellen Empfehlungen internationaler Fachgesellschaften.

Die Pathologin oder der Pathologe untersucht anschließend die Schleimhaut unter dem Mikroskop und beurteilt unter anderem:

  • Anzahl eosinophiler Granulozyten
  • Verteilung der Entzündungszellen
  • Veränderungen der Schleimhautstruktur
  • Hinweise auf chronische Umbauprozesse
  • Ausschluss anderer Erkrankungen

Die histologische Untersuchung bildet zusammen mit den Beschwerden und den endoskopischen Befunden die Grundlage für die Diagnose.


Wie wird die Diagnose gesichert?

Eine EoE wird nicht anhand eines einzelnen Laborwertes oder einer einzigen Untersuchung festgestellt. Vielmehr werden verschiedene Informationen zusammengeführt:

  1. Typische Beschwerden (z. B. Schluckbeschwerden oder Bolusimpaktionen)
  2. Nachweis einer eosinophilen Entzündung in den Biopsien
  3. Ausschluss anderer Ursachen für eine eosinophile Infiltration der Speiseröhre

Dieses strukturierte Vorgehen ermöglicht eine zuverlässige Diagnose und bildet die Grundlage für eine individuell angepasste Therapie.


Welche Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden?

Nicht jede Schluckstörung und nicht jeder Nachweis eosinophiler Granulozyten bedeutet automatisch eine EoE.

Zu den wichtigen Differentialdiagnosen gehören unter anderem:

  • Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD)
  • Medikamentenbedingte Schleimhautschäden
  • Infektiöse Ösophagitiden (z. B. Candida)
  • Achalasie und andere Motilitätsstörungen
  • Morbus Crohn mit Ösophagusbefall
  • Kollagenosen
  • Seltene eosinophile Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
  • Tumoren oder mechanische Engstellen

Eine sorgfältige Abgrenzung ist wichtig, da sich die Behandlung je nach Ursache deutlich unterscheidet.


Reflux oder EoE – wo liegen die Unterschiede?

Viele Beschwerden überschneiden sich. Sowohl eine Refluxkrankheit als auch eine EoE können Sodbrennen, Brustschmerzen oder Schluckbeschwerden verursachen.

Typische Hinweise auf eine EoE sind jedoch:

Eosinophile ÖsophagitisRefluxkrankheit
Schluckbeschwerden stehen im VordergrundSodbrennen steht im Vordergrund
Nahrung bleibt steckenselten
Häufig jüngere Erwachsenehäufiger ab mittlerem Alter
Oft Allergien oder Asthmakeine typische Assoziation
Eosinophile in der Histologiemeist nicht ausgeprägt
Ringbildungen und Längsfurchenerosive Schleimhautveränderungen

Nicht selten bestehen beide Erkrankungen gleichzeitig. Deshalb ist eine differenzierte Diagnostik wichtig.


Weitere Untersuchungen – wann sind sie sinnvoll?

Je nach Beschwerden können ergänzende Untersuchungen sinnvoll sein:

Hochauflösende Ösophagusmanometrie

Sie untersucht die Beweglichkeit der Speiseröhre und hilft, Motilitätsstörungen wie eine Achalasie auszuschließen.

pH-Metrie und Impedanzmessung

Diese Verfahren messen den Rückfluss von Magensäure und anderen Mageninhalten und können bei unklaren Beschwerden oder Verdacht auf eine zusätzliche Refluxkrankheit hilfreich sein.

Endoskopische Beurteilung von Strikturen

Bei ausgeprägten Vernarbungen oder Verengungen beurteilen wir, ob eine endoskopische Erweiterung (Dilatation) notwendig sein könnte.


Warum regelmäßige Kontrollendoskopien wichtig sind

Bei einer EoE genügt es nicht, allein auf die Beschwerden zu achten. Manche Patientinnen und Patienten fühlen sich deutlich besser, obwohl weiterhin eine aktive Entzündung besteht.

Deshalb empfehlen aktuelle Leitlinien, den Therapieerfolg nicht nur anhand der Symptome, sondern auch durch endoskopische und histologische Kontrollen zu beurteilen.

Das Ziel ist eine möglichst vollständige Kontrolle der Entzündung, um langfristige Schäden der Speiseröhre zu vermeiden.


Häufige Fehler bei der Diagnosestellung

In unserer Spezialsprechstunde sehen wir immer wieder ähnliche Konstellationen:

  • Es wurden keine oder zu wenige Biopsien entnommen.
  • Es wurden nur Biopsien aus einem Abschnitt der Speiseröhre entnommen.
  • Die Beschwerden wurden ausschließlich als Reflux interpretiert.
  • Die Endoskopie wurde als “unauffällig” bewertet, obwohl keine Histologie erfolgte.
  • Wiederkehrende Bolusimpaktionen wurden nicht als Warnsignal erkannt.
  • Die Erkrankung wurde erst nach mehreren Jahren diagnostiziert.

Eine strukturierte Diagnostik kann helfen, diese Verzögerungen zu vermeiden.


Unser diagnostischer Ansatz

Im Zentrum für Endoskopie Starnberg verfolgen wir einen standardisierten diagnostischen Ablauf:

  1. Ausführliche Anamnese und Sichtung vorhandener Befunde.
  2. Hochauflösende Gastroskopie mit gezielter Beurteilung der Speiseröhre.
  3. Leitliniengerechte Biopsieentnahme aus mehreren Abschnitten.
  4. Histopathologische Auswertung durch erfahrene Pathologinnen und Pathologen.
  5. Einordnung der Befunde im Gesamtkontext Ihrer Beschwerden.
  6. Individuelle Therapieempfehlung und Planung der weiteren Betreuung.

Dieser strukturierte Prozess ermöglicht eine fundierte Diagnose und bildet die Grundlage für eine langfristig erfolgreiche Behandlung.


Bereit für den nächsten Schritt?

Wenn bei Ihnen bereits eine eosinophile Ösophagitis diagnostiziert wurde oder der Verdacht auf eine EoE besteht, beraten wir Sie gerne in unserer Spezialsprechstunde (Terminvereinbarung endo@internistenzentrum.de).

Im nächsten Abschnitt erfahren Sie, welche modernen Behandlungsmöglichkeiten heute zur Verfügung stehen – von Medikamenten und Ernährungsstrategien bis hin zu Biologika und endoskopischen Verfahren – und warum bei der EoE nicht nur die Symptomkontrolle, sondern die vollständige Kontrolle der Entzündung das Therapieziel sein sollte.