Leitlinie Eosinophile Ösophagitis unter federführender Beteiligung des Zentrums für Endoskopie erstellt. Diagnostik – Behandlung – Verlauf
Drei Jahre hat die Erstellung der ersten Europäischen Behandlungsleitlinie zur Eosinophilen Ösophagitis gedauert. Das Zentrum für Endoskopie in Starnberg war, vertreten durch Prof. Dr. Martin Storr, während des gesamten Zeitraums federführend an der Erstellung beteiligt.
Die DGVS Leitlinie umfasst die wichtigsten Informationen zu Diagnostik, Verlauf, Therapie (Behandlung, Remissionsinduktion, Remissionserhalt, langfristig, Kinder), Ernährung und speziellen Themen wie der 6-Food Eliminationsdiät (6-food elimination diet), Medkkation mit Steroid (Cortison, Budesonid, Jorveza), Säureblockern (PPI) und modernen Therapien mit biologischen Wirkstoffen wie Dupilumab (Dupixent), Benralizumab, RPC4046 und Omalizumab, sofern erhältlich.
Im Zentrum für Endoskopie (EoE-Zentrum für den Großraum München und Süddeutschland) legen wir besonderen Wert auf langfristige Überwachung und Begleitung einer möglicherweise notwendigen langfristigen Therapie (Dauertherapie, intermittierende Therapie), um Spätfolgen wie Narben und Engstellen zu vermeiden.
Den Volltext der Europäischen Leitlinie von 2017, die im Moment überarbeitet wird, finden Sie hier: [LINK]
Eine Zusammenfassung der Deutschen Empfehlungen finden Sie hier: [Link]
Unsere wissenschaftlichen Aktivitäten zu eosinophilen gastrointestinalen Erkrankungen finden sie hier: [Link]
EoE-Leitlinie 2026: Diagnostik, Therapie und Verlauf
Die eosinophile Ösophagitis (EoE) ist eine chronische, immunvermittelte Erkrankung der Speiseröhre, deren Verständnis und Behandlung sich in den vergangenen Jahren erheblich weiterentwickelt haben. Was früher vor allem als seltene Erkrankung und als Differenzialdiagnose bei einer eosinophilen Ösophagitis betrachtet wurde, wird heute als eigenständige chronische Erkrankung mit klar definierten diagnostischen, therapeutischen und langfristigen Behandlungszielen verstanden.
Diese Seite fasst den aktuellen Stand der Diagnostik und Therapie zusammen und berücksichtigt dabei insbesondere die DGVS-S2k-Leitlinie 2023, die aktuelle ACG Clinical Guideline 2025 sowie die europäischen Empfehlungen der UEG. Die Empfehlungen sollten immer im Kontext des jeweiligen Publikationsjahres und der inzwischen verfügbaren Studiendaten betrachtet werden.
Warum eine Aktualisierung der älteren EoE-Leitlinien notwendig ist
Frühere EoE-Leitlinien haben wesentlich zur Definition der Erkrankung und zur Etablierung standardisierter Diagnose- und Therapiekonzepte beigetragen. Die europäische UEG-Leitlinie von 2017 war hierfür eine wichtige Grundlage. Seitdem haben sich jedoch sowohl die diagnostischen Kriterien als auch die therapeutischen Möglichkeiten deutlich weiterentwickelt. Die UEG-Leitlinie von 2017 ist deshalb heute vor allem als historische Referenz relevant. PMID: 28507746. Eine Überarbeitung erfolgt in 2026 und die Leitlinienpublikation ist aktuell zur Begutachtung eingereicht.
Ein wichtiger Paradigmenwechsel betrifft bereits die Diagnose. Früher wurde teilweise eine sogenannte PPI-responsive esophageal eosinophilia (PPI-REE) von der EoE unterschieden. Nach dem internationalen AGREE-Konsensus von 2018 ist ein Ansprechen auf Protonenpumpenhemmer jedoch kein Ausschlusskriterium für eine EoE mehr. PPI werden heute als Therapie der ösophagealen Eosinophilie beziehungsweise der EoE verstanden und nicht mehr als diagnostischer Test, der die Erkrankung von einer PPI-REE abgrenzt. PMID: 30009819.
Auch die Diagnostik wurde weiter präzisiert. Heute stehen nicht allein Symptome oder der endoskopische Eindruck im Mittelpunkt. Die Diagnose basiert auf Symptomen einer ösophagealen Dysfunktion, einer eosinophilen Entzündung in den Ösophagusbiopsien und dem Ausschluss anderer Ursachen einer ösophagealen Eosinophilie. Bei Verdacht sollten ausreichend viele Biopsien aus unterschiedlichen Ösophagusabschnitten entnommen werden, da die Entzündung fleckförmig verteilt sein kann. Die DGVS empfiehlt mindestens sechs Biopsien aus unterschiedlichen Höhen des Ösophagus.
Von der reinen Symptomkontrolle zum Treat-to-Target-Konzept
Ein weiterer wesentlicher Unterschied zwischen älteren und heutigen Behandlungskonzepten ist die Bedeutung der objektiven Entzündungskontrolle.
Frühere Therapiekonzepte orientierten sich stärker an der Frage, ob der Patient weniger Beschwerden hatte. Heute ist bekannt, dass Symptome, endoskopische Veränderungen und histologische Entzündungsaktivität nicht immer parallel verlaufen.
Deshalb sollte der Therapieerfolg auf mehreren Ebenen beurteilt werden:
- klinisch: insbesondere Dysphagie und Nahrungspassagestörungen
- endoskopisch: beispielsweise anhand der EREFS-Merkmale
- histologisch: anhand der eosinophilen Entzündungsaktivität
Die aktuelle ACG-Leitlinie empfiehlt ausdrücklich eine klinische, endoskopische und histologische Beurteilung des Therapieansprechens und der weiteren Krankheitskontrolle. Gleichzeitig soll zwischen dem entzündlichen und dem fibrostenotischen Anteil der Erkrankung unterschieden werden. PMID: 39745304.
Die Therapie hat sich grundlegend erweitert
Auch therapeutisch hat sich die EoE-Behandlung seit älteren Leitlinien deutlich verändert.
Die DGVS-S2k-Leitlinie von 2023 empfiehlt bei Erwachsenen mit aktiver EoE zur Remissionsinduktion primär geschluckte topische Kortikosteroide. Hochdosierte Protonenpumpenhemmer und eine 6-Food-Eliminationsdiät werden als alternative Verfahren genannt. Zur Erhaltung soll zunächst dasjenige Therapieprinzip weitergeführt werden, mit dem die Remission erreicht wurde.
Die aktuelle ACG-Leitlinie von 2025 bildet inzwischen ein breiteres therapeutisches Spektrum ab. Sie berücksichtigt Protonenpumpenhemmer, topische Kortikosteroide, empirische Eliminationsdiäten, Biologikatherapie und Ösophagusdilatation. Bei Kindern kann zusätzlich eine Ernährungstherapie beziehungsweise Feeding Therapy bei entsprechender Problematik relevant sein. PMID: 39745304.
Was sich bei den Biologika verändert hat
Hier zeigt sich besonders deutlich, warum ältere Leitlinientexte aktualisiert werden müssen.
In älteren Empfehlungen wurden Biologika wie Dupilumab oder experimentelle Wirkstoffe wie RPC4046 noch als Untersuchungsmedikamente beziehungsweise als Therapieoptionen innerhalb klinischer Studien beschrieben. Die DGVS-Leitlinie von 2023 enthielt beispielsweise noch die Empfehlung, Biologika bei EoE nur im Rahmen klinischer Studien einzusetzen. Diese Empfehlung spiegelt den damaligen Stand der verfügbaren Evidenz wider.
Inzwischen liegen für Dupilumab robuste Phase-III-Daten vor. In einer randomisierten Studie bei Erwachsenen und Jugendlichen mit EoE erreichte unter wöchentlichem Dupilumab nach 24 Wochen ein deutlich größerer Anteil eine histologische Remission als unter Placebo; gleichzeitig verbesserten sich die Dysphagiesymptome. PMID: 36546624.
Damit hat sich die Einordnung von Dupilumab gegenüber älteren Leitlinien wesentlich verändert. Historische Substanzen wie RPC4046 oder Omalizumab spielen keine Rolle mehr.
Auch Budesonid hat sich weiterentwickelt
Topische Steroide sind zwar bereits seit älteren Leitlinien Bestandteil der EoE-Therapie, doch inzwischen stehen besser untersuchte und speziell auf die Speiseröhre ausgerichtete Darreichungsformen zur Verfügung.
Für Budesonid als orodispersible Tablette liegen randomisierte Daten vor. In einer Phase-III-Studie erreichten nach sechs Wochen 58 % der Patienten unter Budesonid eine definierte klinisch-histologische Komplettremission gegenüber keinem Patienten unter Placebo; eine histologische Remission wurde bei 93 % gegenüber 0 % erreicht. PMID: 30922997.
Ernährung ist heute ein eigenständiger Therapiebaustein
Auch die Ernährungstherapie hat sich weiterentwickelt. Die klassische 6-Food-Eliminationsdiät bleibt ein wirksames Konzept, ist jedoch nicht zwingend der einzige oder erste Ansatz.
Moderne Strategien berücksichtigen zunehmend weniger restriktive Eliminationsformen wie 1-FED oder 2-FED und ein schrittweises Vorgehen. Ziel ist, möglichst wenige Lebensmittel dauerhaft auszuschließen und gleichzeitig eine histologische Remission zu erreichen.
Damit sollte eine aktuelle EoE-Leitlinienseite nicht nur die 6-FED beschreiben, sondern auch 1-FED, 2-FED, 4-FED, 6-FED, Step-up, Step-down, kontrollierte Wiedereinführung und die Grenzen allergologischer Testverfahren erklären.
Dilatation und fibrostenotische Erkrankung
Ein weiterer wichtiger Fortschritt besteht in der stärkeren Unterscheidung zwischen entzündlicher und struktureller Erkrankung.
Eine Ösophagusstriktur kann die Schluckbeschwerden auch dann wesentlich bestimmen, wenn die aktuelle Entzündungsaktivität geringer ist. Eine endoskopische Dilatation kann die mechanische Einengung behandeln, beseitigt jedoch nicht die zugrunde liegende eosinophile Entzündung.
Deshalb sollte bei einer Striktur die mechanische Behandlung mit einer entzündungshemmenden EoE-Therapie kombiniert und der weitere Verlauf kontrolliert werden. Diese Betrachtung des entzündlichen und fibrostenotischen Phänotyps ist ausdrücklich Bestandteil der aktuellen ACG-Leitlinie. PMID: 39745304.
Monitoring und langfristige Erhaltungstherapie
Eine moderne EoE-Leitlinie endet nicht mit der erfolgreichen Induktion einer Remission.
EoE ist eine chronische Erkrankung. Nach erfolgreicher Therapie sollte deshalb geklärt werden, wie die erreichte Remission erhalten werden kann. Die Therapie sollte nicht allein aufgrund einer Beschwerdefreiheit beendet werden.
EoE-Leitlinie 2026: Was Patienten heute wissen sollten
Eine moderne EoE-Therapie bedeutet daher nicht mehr lediglich „Entzündung behandeln und Symptome verbessern“. Das heutige Konzept ist umfassender:
Diagnose sichern → Krankheitsphänotyp bestimmen → Therapie gemeinsam auswählen → objektive Remission überprüfen → Erhaltungstherapie festlegen → langfristig kontrollieren.
Dabei stehen mehrere etablierte Therapieprinzipien zur Verfügung. Die Wahl zwischen PPI, topischen Kortikosteroiden, Ernährungstherapie und – bei geeigneten Patienten – Biologikatherapie sollte individuell erfolgen. Bei Strikturen kann zusätzlich eine Dilatation erforderlich sein.
Diese Seite ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Sie soll vielmehr den aktuellen Stand der EoE-Diagnostik und -Therapie anhand der verfügbaren Leitlinien und wissenschaftlichen Evidenz verständlich zusammenfassen.
Ausführliche Informationen zur EoE erhalten sie unter EoE-Zentrum (Symptome-Diagnostik-Therapie)