Clostridioides difficile (früher Clostridium difficile) gehört weltweit zu den häufigsten Ursachen antibiotikaassoziierter Durchfallerkrankungen. Das Bakterium kann von milden Durchfällen bis hin zu lebensbedrohlichen Dickdarmentzündungen führen und stellt insbesondere bei älteren Menschen, Krankenhauspatienten und Personen mit geschwächtem Immunsystem ein bedeutendes Gesundheitsproblem dar. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat die Zahl schwerer Erkrankungsverläufe deutlich zugenommen, was unter anderem auf die Verbreitung besonders toxinbildender Bakterienstämme zurückgeführt wird.
Die wissenschaftliche Bedeutung von Clostridioides difficile liegt vor allem darin, dass die Erkrankung eng mit Veränderungen des Darmmikrobioms verbunden ist. Moderne Therapiekonzepte konzentrieren sich daher nicht nur auf die Bekämpfung des Erregers selbst, sondern zunehmend auf die Wiederherstellung einer gesunden Darmflora.
Medizinisch geprüft von Prof. Dr. Martin Storr, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie. Überprüft 23.6.2026.
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Was ist Clostridioides difficile?
Definition von Clostridioides difficile
Clostridioides difficile ist ein grampositives, sporenbildendes anaerobes Bakterium, das Toxine produzieren kann und eine Entzündung des Dickdarms verursacht. Die Erkrankung wird als Clostridioides difficile-Infektion (CDI) bezeichnet und ist heute die häufigste Ursache nosokomialer infektiöser Durchfälle in Europa und Nordamerika.
Diese Definition entspricht den Empfehlungen der europäischen und amerikanischen Fachgesellschaften. Charakteristisch für den Erreger ist seine Fähigkeit, widerstandsfähige Sporen zu bilden, die über Monate in der Umgebung überleben können. Dadurch ist die Übertragung in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und anderen Gesundheitseinrichtungen besonders leicht möglich.
Aus der gastroenterologischen Praxis empfehlen wir bei neu aufgetretenen Durchfällen nach einer Antibiotikatherapie immer auch an eine Clostridioides difficile-Infektion zu denken. Häufige Beobachtungen in der Praxis sind, dass die Symptome zunächst unspezifisch erscheinen und deshalb verzögert diagnostiziert werden.
Eine Analyse der europäischen Infektionsüberwachung zeigte, dass jährlich mehrere Hunderttausend CDI-Fälle in Europa auftreten und die Erkrankung zu einer erheblichen Morbidität und Mortalität beiträgt (Davies et al., 2014, PMID: 24785264, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24785264/).
Wie entsteht eine Clostridioides difficile-Infektion?
Die Rolle des Darmmikrobioms
Eine Clostridioides difficile-Infektion entsteht meist dann, wenn die natürliche bakterielle Schutzfunktion des Darmmikrobioms gestört wird und sich das Bakterium ungehindert vermehren kann.
Unter normalen Bedingungen verhindern Milliarden nützlicher Darmbakterien die Ansiedlung krankmachender Keime. Dieses Phänomen wird als Kolonisationsresistenz bezeichnet. Werden große Teile dieser schützenden Darmflora beispielsweise durch Antibiotika zerstört, entsteht ein biologisches Ungleichgewicht, das Clostridioides difficile nutzen kann.
Besonders häufig werden Infektionen nach der Einnahme von Breitbandantibiotika beobachtet. Dazu gehören Cephalosporine, Fluorchinolone, Clindamycin und bestimmte Penicilline. Das Risiko steigt mit der Dauer und Anzahl vorausgegangener Antibiotikatherapien.
Eine große epidemiologische Untersuchung zeigte, dass Antibiotika das Erkrankungsrisiko um ein Vielfaches erhöhen können. Das höchste Risiko besteht in den ersten vier Wochen nach Beendigung der Therapie (Brown et al., 2013, PMID: 23645849, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23645849/).
Übertragung und Risikofaktoren
Die Übertragung erfolgt überwiegend fäkal-oral. Die widerstandsfähigen Sporen können auf Oberflächen, medizinischen Geräten oder Händen überleben und anschließend in den Darm gelangen.
Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen höheres Lebensalter, Krankenhausaufenthalte, chronische Erkrankungen, Immunsuppression sowie frühere CDI-Episoden. Patienten über 65 Jahre haben ein deutlich erhöhtes Risiko für schwere Verläufe und Rückfälle.
Welche Symptome verursacht Clostridioides difficile?
Typische Beschwerden
Die Symptome können von milden Durchfällen bis hin zu schweren Dickdarmentzündungen reichen. Typischerweise entwickeln Patienten mehrfach täglich wässrige Durchfälle, häufig begleitet von Bauchschmerzen und Krämpfen.
Viele Betroffene berichten zusätzlich über Übelkeit, Appetitverlust und allgemeine Schwäche. Fieber tritt vor allem bei schwereren Verläufen auf. Die Beschwerden beginnen häufig wenige Tage nach Beginn einer Antibiotikatherapie, können jedoch auch Wochen später auftreten.
Aus der gastroenterologischen Praxis empfehlen wir eine sofortige ärztliche Abklärung bei anhaltenden Durchfällen nach Antibiotikaeinnahme. Häufige Beobachtungen in der Praxis sind, dass Patienten die Beschwerden zunächst als harmlose Nebenwirkung der Medikamente interpretieren.
Schwere Verläufe und Komplikationen
In schweren Fällen kann sich eine pseudomembranöse Kolitis entwickeln. Dabei kommt es zu einer ausgeprägten Entzündung des Dickdarms mit Bildung charakteristischer Beläge auf der Schleimhaut.
Zu den gefährlichsten Komplikationen gehören:
- toxisches Megakolon,
- Darmperforation,
- Sepsis,
- Organversagen.
Die Mortalität schwerer CDI-Verläufe kann trotz moderner Therapie erheblich sein. Besonders gefährdet sind ältere und multimorbide Patienten.
Eine Studie von Lessa und Kollegen schätzte für die USA jährlich fast 30.000 Todesfälle im Zusammenhang mit CDI (Lessa et al., 2015, PMID: 26079528, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26079528/).
Wie wird Clostridioides difficile diagnostiziert?
Moderne Diagnostik
Die Diagnose basiert auf der Kombination von klinischen Symptomen und laborchemischem Erregernachweis.
Heute kommen vor allem molekulargenetische Verfahren wie PCR-Tests sowie Toxin-Nachweise im Stuhl zum Einsatz. Moderne Diagnostikstrategien kombinieren häufig mehrere Verfahren, um sowohl eine hohe Sensitivität als auch eine hohe Spezifität zu erreichen.
Eine alleinige Besiedlung ohne Symptome sollte nicht als behandlungsbedürftige Infektion gewertet werden. Deshalb ist die klinische Beurteilung ebenso wichtig wie der Labornachweis.
Wann sollte getestet werden?
Patienten mit neu aufgetretenem Durchfall und mindestens drei ungeformten Stühlen innerhalb von 24 Stunden sollten untersucht werden, insbesondere wenn eine Antibiotikatherapie vorausging.
Aus der gastroenterologischen Praxis empfehlen wir eine frühzeitige Diagnostik, da eine rasche Behandlung das Risiko schwerer Verläufe reduzieren kann.
Behandlung von Clostridioides difficile
Antibiotische Therapie
Die Behandlung richtet sich nach Schweregrad und Rückfallrisiko.
Aktuelle Leitlinien empfehlen bevorzugt Fidaxomicin als Erstlinientherapie für viele Patienten mit CDI. Alternativ kann Vancomycin eingesetzt werden. Metronidazol spielt heute nur noch eine untergeordnete Rolle.
Fidaxomicin zeigte in mehreren Studien vergleichbare Heilungsraten wie Vancomycin, reduzierte jedoch die Rückfallrate signifikant. In der Zulassungsstudie traten Rezidive bei 15,4 % der Patienten unter Fidaxomicin und bei 25,3 % unter Vancomycin auf (Louie et al., 2011, PMID: 21288078, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21288078/).
Behandlung schwerer Verläufe
Schwere Infektionen erfordern häufig eine stationäre Behandlung. Neben Antibiotika können intensivmedizinische Maßnahmen, Flüssigkeitsersatz und in seltenen Fällen chirurgische Eingriffe notwendig werden.
Warum treten Rückfälle so häufig auf?
Rezidivierende Clostridioides difficile-Infektion
Ein Rezidiv bezeichnet das Wiederauftreten der Erkrankung nach zunächst erfolgreicher Behandlung.
Etwa 20 bis 30 % der Patienten entwickeln nach der ersten Infektion einen Rückfall. Nach mehreren Rezidiven steigt das Risiko weiterer Erkrankungsepisoden auf bis zu 60 %.
Der wichtigste Grund dafür ist die unvollständige Wiederherstellung des Darmmikrobioms. Zwar beseitigen Antibiotika den Erreger, sie können jedoch gleichzeitig die schützende Darmflora weiter beeinträchtigen.
Aus der gastroenterologischen Praxis empfehlen wir deshalb bei wiederkehrenden Infektionen eine frühzeitige Bewertung mikrobiombasierter Therapieansätze.
Stuhltransplantation bei Clostridioides difficile
Was ist eine Fäkale Mikrobiota-Transplantation?
Die Stuhltransplantation (FMT) ist die Übertragung aufbereiteter Darmmikroorganismen eines gesunden Spenders zur Wiederherstellung eines gestörten Mikrobioms.
FMT gilt heute als die wirksamste Behandlung bei mehrfach rezidivierender CDI.
Die wegweisende Studie von van Nood et al. zeigte Heilungsraten von 81 % nach einer einzigen Behandlung und 94 % nach wiederholter FMT (van Nood et al., 2013, PMID: 23323867, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23323867/).
Warum wirkt FMT so gut?
FMT stellt die mikrobielle Vielfalt des Darms wieder her. Dadurch werden natürliche Schutzmechanismen aktiviert, die das Wachstum von Clostridioides difficile unterdrücken.
Eine Metaanalyse von Baunwall und Kollegen zeigte eine durchschnittliche Erfolgsrate von 91 % nach wiederholter Stuhltransplantation (Baunwall et al., 2020, PMID: 33437951, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33437951/).
Häufige Beobachtungen in der Praxis sind eine rasche Besserung der Durchfälle und eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität bereits wenige Tage nach erfolgreicher Behandlung.
Prognose und Langzeitverlauf
Heilungschancen bei Clostridioides difficile
Die Prognose hängt wesentlich vom Alter, Begleiterkrankungen und der Geschwindigkeit der Diagnosestellung ab.
Bei frühzeitiger Behandlung heilen die meisten Patienten vollständig aus. Problematisch sind vor allem wiederkehrende Infektionen und schwere Verläufe bei älteren Menschen.
Durch moderne Antibiotika, verbesserte Hygienemaßnahmen und den Einsatz der Stuhltransplantation konnten die Behandlungsergebnisse in den vergangenen Jahren deutlich verbessert werden.
Aus der gastroenterologischen Praxis empfehlen wir nach einer überstandenen CDI eine sorgfältige Überprüfung zukünftiger Antibiotikatherapien, um das Rückfallrisiko möglichst gering zu halten.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Clostridioides difficile
Was ist Clostridioides difficile?
Clostridioides difficile ist ein toxinbildendes Darmbakterium, das schwere Durchfälle und Dickdarmentzündungen verursachen kann. Die Erkrankung tritt häufig nach Antibiotikatherapien auf. Besonders gefährdet sind ältere Menschen und Krankenhauspatienten (Lessa et al., 2015, PMID: 26079528, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26079528/).
Ist Clostridioides difficile ansteckend?
Ja. Die Übertragung erfolgt über widerstandsfähige Sporen, die auf Oberflächen und Händen überleben können. Deshalb spielen Hygiene- und Isolationsmaßnahmen eine wichtige Rolle in Krankenhäusern.
Wie lange dauert eine Clostridioides difficile-Infektion?
Die Dauer hängt vom Schweregrad und der Therapie ab. Viele Patienten sprechen innerhalb weniger Tage auf eine Behandlung an. Rückfälle können jedoch Wochen oder Monate später auftreten.
Kann Clostridioides difficile von selbst verschwinden?
Leichte Verläufe können sich gelegentlich bessern, eine medizinische Abklärung ist jedoch immer erforderlich. Unbehandelte Infektionen können schwerwiegende Komplikationen verursachen. Deshalb sollte bei Verdacht eine zeitnahe Diagnostik erfolgen.
Wann ist eine Stuhltransplantation sinnvoll?
Eine Stuhltransplantation wird vor allem bei mehrfach wiederkehrenden CDI-Episoden empfohlen. Die Erfolgsraten liegen in Studien bei über 90 %. Internationale Leitlinien betrachten FMT als Standardtherapie für viele Patienten mit rezidivierender CDI (van Nood et al., 2013, PMID: 23323867, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23323867/).
Literaturverzeichnis
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