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Ernährung bei eosinophiler Ösophagitis (EoE)

Ernährung als Therapie der eosinophilen Ösophagitis

Die eosinophile Ösophagitis (EoE) ist eine chronische, immunvermittelte Entzündung der Speiseröhre. Bei vielen Patienten spielen Nahrungsmittelantigene eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der Entzündung. Deshalb kann eine gezielte Ernährungstherapie ein wichtiger Bestandteil der Behandlung sein.

Das Ziel einer Ernährungstherapie besteht nicht darin, möglichst viele Lebensmittel dauerhaft zu vermeiden. Vielmehr soll herausgefunden werden, welche Lebensmittel bei der jeweiligen Person die Entzündung der Speiseröhre auslösen oder aufrechterhalten. Anschließend sollen möglichst viele nicht relevante Lebensmittel wieder in die Ernährung aufgenommen werden.

Eine Ernährungstherapie bei EoE unterscheidet sich damit deutlich von einer allgemeinen „Allergiediät“ oder einer unspezifischen Ausschlussdiät.

Medizinisch geprüft von Prof. Dr. Martin Storr, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie. Update 29.09.2026 Prof Storr ist Mitherausgeber der Europäischen EoE Leitlinie. Guidelines on eosinophilic esophagitis: evidence-based statements and recommendations for diagnosis and management in children and adults. PMID: 28507746 PMCID: PMC5415218 DOI: 10.1177/2050640616689525 und publiziert af nationaler und internationaler Ebene zum Thema EoE. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29121691/ https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38261193/

Wichtig: Eine Verbesserung der Beschwerden allein beweist nicht, dass die EoE entzündungsfrei ist. Der Therapieerfolg sollte durch die Kombination aus Beschwerden, Endoskopie und histologischer Untersuchung der Speiseröhrenbiopsien beurteilt werden.

Mehr über die EoE erfahren Sie auf unserer Hauptseite zur EoE.

Quelle: Dellon ES et al., ACG Clinical Guideline: Diagnosis and Management of Eosinophilic Esophagitis. Am J Gastroenterol. 2025. PMID: 39745304


Welche Ernährungstherapien gibt es bei EoE?

Grundsätzlich stehen mehrere Ernährungskonzepte zur Verfügung:

  • 1-FED: Ausschluss einer Lebensmittelgruppe, in der Regel Milch
  • 2-FED: Ausschluss von Milch und Weizen beziehungsweise glutenhaltigem Getreide
  • 4-FED: Ausschluss von Milch, Weizen, Ei und Soja beziehungsweise Hülsenfrüchten
  • 6-FED: Ausschluss von Milch, Weizen, Ei, Soja, Nüssen/Erdnüssen sowie Fisch und Meeresfrüchten
  • Elementardiät: Ernährung ausschließlich mit einer Aminosäure-basierten Formulanahrung
  • Allergietest-basierte Eliminationsdiät: Ausschluss von Lebensmitteln aufgrund allergologischer Testverfahren

Heute wird häufig eine möglichst wenig restriktive Ernährungstherapie bevorzugt. Eine einfache Ernährungstherapie kann zunächst mit dem Ausschluss eines oder zweier Lebensmittel beginnen. Wenn keine histologische Remission erreicht wird, kann die Diät schrittweise erweitert werden.


1-FED: Milch als erster Ansatz

Bei der 1-FED wird zunächst ausschließlich Milch beziehungsweise Kuhmilch aus der Ernährung entfernt.

Milch ist in vielen Studien das häufigste einzelne Trigger-Lebensmittel bei EoE. Deshalb kann eine Milch-Eliminationsdiät eine sinnvolle erste Ernährungstherapie darstellen.

Bei Erwachsenen zeigte eine randomisierte Studie, dass eine ausschließliche Milch-Elimination über sechs Wochen eine ähnliche histologische Wirksamkeit wie eine wesentlich stärker eingeschränkte 6-FED erreichen konnte.

Auch bei Kindern wurde in einer randomisierten Studie eine 1-FED mit Milch gegenüber einer 4-FED untersucht. Die histologischen Remissionsraten waren vergleichbar, während die weniger restriktive 1-FED besser umsetzbar war.

Quellen:
Kliewer KL et al. Lancet Gastroenterol Hepatol. 2023. PMID: 36863390
Kliewer KL et al. J Allergy Clin Immunol. 2025. PMID: 39233016


2-FED: Milch und Weizen

Wenn eine alleinige Milch-Elimination nicht erfolgreich ist, kann die Ernährung auf zwei Lebensmittelgruppen erweitert werden.

Bei der klassischen 2-FED werden:

  1. Milch beziehungsweise Milchprodukte
  2. Weizen beziehungsweise glutenhaltige Getreide

eliminiert.

Die 2-FED ist wesentlich einfacher umzusetzen als eine 6-FED und kann deshalb für viele Patienten einen praktikablen Einstieg darstellen.

In der sogenannten 2-4-6-Studie erreichte eine 2-FED mit Milch und glutenhaltigem Getreide bei 43 % der Patienten eine Remission. Bei Nichtansprechen konnte anschließend auf eine 4-FED und gegebenenfalls auf eine 6-FED erweitert werden.

Quelle: Molina-Infante J et al. Gastroenterology. 2018. PMID: 29074457


4-FED: Milch, Weizen, Ei und Soja

Die 4-FED erweitert die Ausschlussdiät um weitere häufige Trigger.

Typischerweise werden ausgeschlossen:

  • Milch und Milchprodukte
  • Weizen beziehungsweise glutenhaltige Getreide
  • Ei
  • Soja beziehungsweise je nach Ernährungskonzept Hülsenfrüchte

In einer prospektiven Studie mit Erwachsenen erreichten 54 % der Patienten unter einer 4-FED eine klinisch-histologische Remission.

Bei einem Teil der Patienten, die auf die 4-FED nicht ansprachen, konnte durch eine anschließende 6-FED noch eine Remission erreicht werden.

Quelle: Molina-Infante J et al. J Allergy Clin Immunol. 2014. PMID: 25174868


6-FED: die klassische Eliminationsdiät

Die klassische 6-FED steht für „six-food elimination diet“.

Dabei werden typischerweise sechs Gruppen ausgeschlossen:

  1. Milch
  2. Weizen
  3. Ei
  4. Soja beziehungsweise Hülsenfrüchte
  5. Erdnüsse und Baumnüsse
  6. Fisch und Meeresfrüchte

Die genaue Zusammenstellung kann je nach Studienprotokoll leicht variieren.

Die 6-FED war über viele Jahre eine der wichtigsten Ernährungstherapien bei EoE. Sie kann eine hohe Wirksamkeit erreichen, ist aber für Patienten mit erheblichen Einschränkungen verbunden.

Deshalb wird heute häufig zunächst eine weniger restriktive Ernährung gewählt.

Quelle: Gonsalves N et al. Gastroenterology. 2012. PMID: 22391333

Diagnostisches Vorgehen bei Step-up und Step-down der Ernährungstherapie bei EoE

Eine Ernährungstherapie bei eosinophiler Ösophagitis (EoE) sollte nicht als einfache Ausschlussdiät verstanden werden. Sie ist vielmehr ein strukturiertes diagnostisch-therapeutisches Verfahren: Lebensmittelgruppen werden gezielt eliminiert, das Ansprechen wird objektiv überprüft und anschließend können einzelne Lebensmittel kontrolliert wieder eingeführt werden.

Das Ziel besteht darin, mit möglichst wenigen Ernährungseinschränkungen eine stabile histologische Remission zu erreichen und gleichzeitig die individuellen Trigger-Lebensmittel zu identifizieren.

Bei einer Step-up-Strategie wird mit einer möglichst wenig restriktiven Eliminationsdiät begonnen. Bei fehlender Remission wird die Diät schrittweise erweitert. Bei einer Step-down-Strategie wird dagegen zunächst eine stärker restriktive Eliminationsdiät eingesetzt. Nach Erreichen einer Remission werden Lebensmittelgruppen schrittweise wieder eingeführt.

Die aktuelle ACG-Leitlinie empfiehlt bei der EoE eine Beurteilung des Therapieansprechens anhand klinischer, endoskopischer und histologischer Kriterien.


Was bedeutet Step-up bei EoE?

Bei der Step-up-Strategie beginnt die Ernährungstherapie mit einer möglichst kleinen Zahl ausgeschlossener Lebensmittelgruppen.

Ein klassisches Vorgehen ist:

1-FED → 2-FED → 4-FED → 6-FED

Dabei steht FED für „food elimination diet“.

Je nach individuellem Behandlungskonzept kann beispielsweise zunächst ausschließlich Milch eliminiert werden. Wenn dadurch keine histologische Remission erreicht wird, wird die Diät um weitere Lebensmittelgruppen erweitert.

Das Prinzip lautet:

so wenig Einschränkung wie möglich – so viel Eliminierung wie notwendig.

Der wesentliche Vorteil besteht darin, dass Patienten nicht von Beginn an sechs große Lebensmittelgruppen meiden müssen.


Step-up: Wie läuft die Diagnostik konkret ab?

1. Ausgangssituation dokumentieren

Vor Beginn der Ernährungstherapie sollte die Ausgangssituation möglichst genau dokumentiert werden.

Dazu gehören:

  • Beschwerden wie Dysphagie oder Bolusgefühl
  • Episoden einer Nahrungspassage-Störung oder eines Bolusimpakts
  • Beschwerden beim Essen
  • Gewichtsverlauf
  • Ernährungsform
  • bestehende Nahrungsmittelallergien
  • bisherige Eliminationsdiäten
  • Begleiterkrankungen
  • aktuelle Medikamente
  • gegebenenfalls PPI-, Steroid- oder Biologikatherapie

Zusätzlich sollte die Ausgangsendoskopie beurteilt werden.

Dabei sind insbesondere typische EoE-Merkmale wie Ödeme, Ringe, Exsudate, Furchen und Stenosen relevant.

Für die standardisierte endoskopische Beurteilung kann der EREFS-Score verwendet werden.


2. Histologische Ausgangsdiagnostik

Vor Beginn einer Ernährungstherapie sollte die Diagnose EoE histologisch abgesichert sein.

Bei Verdacht auf EoE sollen mehrere Biopsien aus unterschiedlichen Abschnitten des Ösophagus entnommen werden, da die eosinophile Entzündung fleckförmig verteilt sein kann.

Die ESGE empfiehlt bei Verdacht auf EoE mindestens sechs Biopsien aus proximalen und distalen Ösophagusabschnitten, möglichst gezielt aus auffälligen Arealen.

Der histologische Ausgangswert ist wichtig, weil später beurteilt werden muss, ob die Eliminationsdiät tatsächlich zu einer Entzündungsremission geführt hat.


3. Start mit 1-FED oder 2-FED

Bei einem Step-up-Konzept kann mit einer 1-FED oder 2-FED begonnen werden.

1-FED

Häufig wird zunächst ausschließlich Milch beziehungsweise Kuhmilch eliminiert.

2-FED

Bei der klassischen 2-FED werden:

  • Milch beziehungsweise Milchprodukte
  • Weizen beziehungsweise glutenhaltige Getreide

eliminiert.

Welche Variante gewählt wird, sollte individuell entschieden werden.

Bei Erwachsenen zeigte eine randomisierte Studie, dass eine Milch-Elimination eine ähnliche histologische Wirksamkeit wie eine deutlich restriktivere 6-FED erreichen kann.


4. Erste Kontrollphase

Nach einer definierten Eliminationsphase wird überprüft, ob eine Remission erreicht wurde.

In der klassischen 2-4-6-Studie erfolgte die erste Beurteilung nach sechs Wochen. Als Remission wurde eine Kombination aus klinischer Besserung und einer histologischen Aktivität von weniger als 15 Eosinophilen pro High-Power-Field verwendet.

Heute sollte die Beurteilung nicht ausschließlich über Symptome erfolgen.

Die drei Ebenen der Erfolgskontrolle

1. Klinisch

  • weniger Dysphagie
  • weniger Bolusgefühl
  • weniger Nahrungspassagestörungen
  • weniger Brustbeschwerden

2. Endoskopisch

Beurteilung beispielsweise anhand des EREFS:

  • Ödem
  • Ringe
  • Exsudate
  • Furchen
  • Stenosen

3. Histologisch

Bestimmung der Zahl eosinophiler Granulozyten pro High-Power-Field.

Eine deutliche Reduktion der Eosinophilen allein ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einer vollständigen Remission; die konkrete Definition sollte sich am verwendeten Studien- beziehungsweise Leitlinienkonzept orientieren.


Warum reicht eine Symptomkontrolle nicht?

Eine der wichtigsten Besonderheiten der EoE ist, dass Symptome und Entzündungsaktivität nicht zuverlässig parallel verlaufen.

Ein Patient kann beispielsweise berichten, dass er wieder problemlos essen kann, während histologisch weiterhin eine aktive EoE besteht.

Umgekehrt können Symptome auch durch eine bereits bestehende Fibrose oder Stenose beeinflusst werden.

Deshalb sollte bei einer Ernährungstherapie nicht allein gefragt werden:

„Geht es dem Patienten besser?“

Sondern zusätzlich:

„Ist die Entzündung histologisch zurückgegangen?“

und

„Hat sich das endoskopische Erscheinungsbild verbessert?“

Die ACG-Leitlinie empfiehlt deshalb die Kombination aus klinischer, endoskopischer und histologischer Beurteilung.


5. Was passiert bei Remission?

Wird unter 1-FED oder 2-FED eine Remission erreicht, sollte die Ernährung nicht automatisch dauerhaft maximal restriktiv bleiben.

Jetzt beginnt der zweite wichtige Teil der Ernährungstherapie:

die kontrollierte Wiedereinführung von Lebensmitteln.

Dabei wird versucht herauszufinden:

Welche Lebensmittel werden tatsächlich toleriert und welche lösen erneut eine EoE-Aktivität aus?

Das ist diagnostisch besonders wichtig.


Step-down: Was bedeutet Step-down?

Beim Step-down wird zunächst eine stärker restriktive Eliminationsdiät eingesetzt, beispielsweise eine 6-FED.

Nach Erreichen einer Remission werden anschließend einzelne Lebensmittelgruppen nacheinander wieder eingeführt.

Das Prinzip lautet:

6-FED → Wiedereinführung einzelner Lebensmittel → Identifikation der Trigger → individuell weniger restriktive Dauerernährung

Der Begriff „Step-down“ kann allerdings unterschiedlich verwendet werden. Für eine Website sollte deshalb ausdrücklich erklärt werden, dass hier die Reduktion der Ernährungseinschränkungen nach erfolgreicher Induktion einer Remission gemeint ist.


Step-down: Diagnostisches Vorgehen im Detail

1. Start mit einer umfassenden Eliminationsdiät

Bei einer klassischen 6-FED werden typischerweise folgende Lebensmittelgruppen ausgeschlossen:

  1. Milch
  2. Weizen beziehungsweise glutenhaltige Getreide
  3. Ei
  4. Soja beziehungsweise Hülsenfrüchte
  5. Nüsse und Erdnüsse
  6. Fisch und Meeresfrüchte

Die genaue Definition der Lebensmittelgruppen kann zwischen Studien und Protokollen variieren.


2. Kontrolle der Remission

Nach der Eliminationsphase wird erneut beurteilt:

  • Beschwerden
  • Endoskopie
  • Histologie

Eine historische Studie zur 6-FED bei Erwachsenen zeigte nach sechs Wochen eine deutliche Verbesserung von Symptomen, Endoskopie und Histologie. Anschließend führte die kontrollierte Wiedereinführung einzelner Lebensmittel bei den identifizierten Triggern wieder zu einer Zunahme der eosinophilen Entzündung.

Damit konnte gezeigt werden, dass die Wiedereinführung nicht nur eine praktische Ernährungsfrage ist, sondern tatsächlich zur Identifikation individueller EoE-Trigger genutzt werden kann.


3. Einzelne Lebensmittel kontrolliert wieder einführen

Nach erfolgreicher Remission wird eine Lebensmittelgruppe wieder in die Ernährung aufgenommen.

Beispielsweise:

Milch → Beobachtungsphase → Endoskopie + Biopsien

Wenn die histologische Remission erhalten bleibt, kann Milch als wahrscheinlich toleriertes Lebensmittel betrachtet werden.

Wenn dagegen erneut eine relevante eosinophile Entzündung auftritt, spricht dies dafür, dass Milch ein individueller Trigger ist.

Anschließend wird das nächste Lebensmittel eingeführt.


4. Warum erfolgt die Wiedereinführung einzeln?

Werden mehrere Lebensmittelgruppen gleichzeitig wieder eingeführt, lässt sich später nicht zuverlässig feststellen, welches Lebensmittel für einen erneuten Entzündungsschub verantwortlich war.

Deshalb ist die sequenzielle Wiedereinführung einzelner Lebensmittelgruppen diagnostisch wesentlich aussagekräftiger.

Ein typisches Prinzip ist:

Lebensmittel A → Kontrolle

bei Verträglichkeit:

Lebensmittel B → Kontrolle

bei Verträglichkeit:

Lebensmittel C → Kontrolle

und so weiter.


5. Was gilt als Trigger?

Ein Lebensmittel gilt im Rahmen einer strukturierten EoE-Diagnostik als wahrscheinlicher Trigger, wenn nach seiner Wiedereinführung erneut eine relevante eosinophile Entzündung nachweisbar wird.

Dabei sollte nicht allein die Symptomatik bewertet werden.

Entscheidend ist insbesondere die histologische Reaktion.

Die klassische 6-FED-Studie zeigte beispielsweise, dass nach der Wiedereinführung von Trigger-Lebensmitteln die eosinophile Entzündung wieder zunahm.


EoE-Ernährung: Step-up und Step-down im direkten Vergleich

Step-upStep-down
Ausgangspunktmöglichst wenig restriktivstark restriktiv
Beispiel1-FED oder 2-FED6-FED
ZielRestriktionen nur bei Bedarf erweiternRestriktionen schrittweise reduzieren
Bei Remissionkontrollierte weitere StrategieLebensmittel einzeln wieder einführen
Vorteilweniger Einschränkungen zu Beginnhohe Wahrscheinlichkeit einer frühen Remission
Nachteilbei Nichtansprechen mehrere Stufen erforderlichinitial hohe Belastung
Diagnostisches Zielmit möglichst wenig Eliminierung Remission erreichenindividuelle Trigger durch Reintroduction bestimmen

Die 2-4-6-Strategie

Eine besonders gut untersuchte Step-up-Strategie ist das 2-4-6-Konzept.

Stufe 1: 2-FED

Milch + glutenhaltige Getreide

↓

Kontrolle nach etwa 6 Wochen

↓

Bei Remission

Beginn der kontrollierten Wiedereinführung

↓

Bei fehlender Remission

Erweiterung auf 4-FED

Milch + glutenhaltige Getreide + Ei + Hülsenfrüchte

↓

erneute Kontrolle

↓

Bei fehlender Remission

Erweiterung auf 6-FED

Milch + glutenhaltige Getreide + Ei + Hülsenfrüchte + Nüsse + Fisch/Meeresfrüchte

↓

erneute Kontrolle

Dieses Vorgehen wurde in der 2-4-6-Studie prospektiv untersucht.

Unter der initialen 2-FED erreichten 43 % der Patienten eine Remission. Bei den Patienten ohne Ansprechen stieg die Remissionsrate mit der Erweiterung auf 4-FED und anschließend 6-FED auf 60 % beziehungsweise 79 %. Gleichzeitig reduzierte die Step-up-Strategie im Vergleich zum unmittelbaren Beginn mit 6-FED die Zahl der notwendigen Endoskopien und die Dauer des diagnostischen Prozesses.


Warum ist die histologische Kontrolle so wichtig?

Die Ernährungstherapie bei EoE verfolgt nicht nur das Ziel, Beschwerden zu reduzieren.

Eine unbehandelte oder persistierende eosinophile Entzündung kann langfristig zu strukturellen Veränderungen des Ösophagus beitragen.

Dazu gehören insbesondere:

  • Wandverdickung
  • Fibrose
  • Ringe
  • Stenosen
  • zunehmende Nahrungspassagestörungen

Deshalb sollte das Therapieziel nicht allein „Beschwerdefreiheit“, sondern eine möglichst vollständige Kontrolle der Entzündungsaktivität sein.

Die aktuelle ACG-Leitlinie unterscheidet dabei ausdrücklich zwischen dem entzündlichen und dem fibrostenotischen Krankheitsanteil.


Was passiert nach Identifikation eines Trigger-Lebensmittels?

Wenn beispielsweise Milch als Trigger identifiziert wurde, wird Milch wieder aus der Ernährung entfernt.

Andere Lebensmittel, die bei der kontrollierten Wiedereinführung keine erneute EoE-Aktivität ausgelöst haben, können dagegen in der Ernährung verbleiben.

So entsteht schrittweise ein individuelles Ernährungsprofil:

Verträgliche Lebensmittel

→ können weiterhin gegessen werden

Wahrscheinliche Trigger

→ werden langfristig vermieden

Das Ziel ist damit eine möglichst wenig restriktive, aber entzündungskontrollierende Ernährung.


Warum ist Step-up häufig attraktiv?

Der entscheidende Vorteil besteht darin, dass viele Patienten nicht sechs Lebensmittelgruppen dauerhaft eliminieren müssen.

In der 2-4-6-Studie hatten mehr als 90 % der Patienten, die bereits unter 2-FED oder 4-FED angesprochen hatten, nur ein oder zwei identifizierbare Trigger.

Dadurch kann die Ernährung bei vielen Patienten deutlich weniger restriktiv gestaltet werden.


Was ist diagnostisch besonders wichtig?

Bei der Ernährungstherapie der EoE sollten fünf Dinge strikt voneinander getrennt werden:

1. Diagnose der EoE

Symptome einer ösophagealen Funktionsstörung + charakteristische histologische Entzündung.

2. Induktion einer Remission

Eliminationsdiät über einen definierten Zeitraum.

3. Objektive Erfolgskontrolle

Klinik + Endoskopie + Histologie.

4. Triggeridentifikation

Kontrollierte Wiedereinführung einzelner Lebensmittel.

5. Langzeitmanagement

Dauerhafte Vermeidung tatsächlich relevanter Trigger und regelmäßige Kontrolle der Erkrankung.


Kann man die Anzahl der Endoskopien reduzieren?

Ja, eine Step-up-Strategie kann gegenüber einer sofortigen 6-FED die Zahl notwendiger Endoskopien reduzieren.

Der Grund ist einfach:

Wenn ein Patient bereits unter einer weniger restriktiven Diät eine Remission erreicht, müssen die zusätzlich ausgeschlossenen Lebensmittelgruppen nicht zwingend einzeln untersucht werden.

Die 2-4-6-Studie zeigte gegenüber dem unmittelbaren Einstieg mit einer 6-FED eine Reduktion der endoskopischen Untersuchungen um etwa 20 %.

Die konkrete Anzahl der notwendigen Endoskopien hängt jedoch vom individuellen Therapieprotokoll, der Ausgangssituation und der Reaktion auf die jeweiligen Ernährungsschritte ab.


Gibt es eine optimale Step-up-Strategie für jeden Patienten?

Nein.

Die Wahl zwischen 1-FED, 2-FED, 4-FED und 6-FED sollte individualisiert werden.

Berücksichtigt werden sollten unter anderem:

  • Alter
  • Ernährungsgewohnheiten
  • bestehende Nahrungsmittelallergien
  • Ernährungsform
  • Begleiterkrankungen
  • Ausmaß der EoE
  • Stenosen und fibrostenotische Veränderungen
  • bisherige Therapien
  • Bereitschaft zur wiederholten Endoskopie
  • Lebensqualität
  • Risiko einer zu starken Ernährungseinschränkung

Die Ernährungstherapie sollte deshalb gemeinsam mit dem Patienten geplant werden.


Wichtig: Die Ernährungstherapie ist kein einmaliger Allergietest

Eine EoE-Eliminationsdiät sollte nicht nach dem Prinzip funktionieren:

„Allergietest machen → positives Lebensmittel streichen → fertig.“

Herkömmliche allergologische Testverfahren können die individuellen EoE-Trigger nicht zuverlässig identifizieren.

Die 2-4-6-Strategie und die kontrollierte Wiedereinführung verfolgen dagegen einen empirischen und objektiv kontrollierten Ansatz.


Das diagnostische Prinzip in einem Satz

Bei der Step-up-Strategie wird die Eliminationsdiät bei fehlender histologischer Remission schrittweise erweitert; bei der Step-down-Strategie wird nach erreichter Remission die Ernährung schrittweise liberalisiert, wobei einzelne Lebensmittel kontrolliert wieder eingeführt und durch klinische, endoskopische und histologische Kontrollen als verträglich oder als mögliche Trigger eingeordnet werden.

Dieses Vorgehen ermöglicht es, die Ernährung möglichst individuell zu gestalten und unnötige dauerhafte Einschränkungen zu vermeiden.


Wie wirksam sind Eliminationsdiäten?

Die Wirksamkeit hängt stark davon ab, wie streng die Diät ist.

Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von 2024 mit 43 Studien und 2.825 Patienten zeigte folgende gepoolte histologische Remissionsraten:

ErnährungstherapieHistologische Remission
1-FED46,4 %
2-FED44,3 %
4-FED54,7 %
6-FED63,9 %
Elementardiät94,5 %

Diese Zahlen sind nicht als direkter Vergleich einzelner Therapien zu verstehen, da die eingeschlossenen Studien unterschiedliche Populationen, Designs und Therapieprotokolle verwendeten.

Grundsätzlich zeigt sich jedoch: Je mehr Lebensmittelgruppen ausgeschlossen werden, desto höher kann die Wahrscheinlichkeit einer histologischen Remission sein – gleichzeitig steigen Aufwand, Ernährungsrisiken und Einschränkungen der Lebensqualität.

Quelle: Arias Á et al. Nutrients. 2024. PMID: 39064673


Warum ist Milch bei EoE besonders wichtig?

Milch beziehungsweise Kuhmilch gehört zu den am häufigsten identifizierten Triggern bei EoE.

In Studien zur Wiedereinführung einzelner Lebensmittel wurde Milch wiederholt als häufigster oder einer der häufigsten Trigger identifiziert.

Bei einer großen Kohorte erwachsener Patienten wurden nach erfolgreicher 6-FED und anschließender Wiedereinführung besonders häufig Milch, Weizen und Soja als Trigger identifiziert.

Quelle: Dellon ES et al. Am J Gastroenterol. 2022. PMID: 35971213


Muss man Gluten bei EoE meiden?

Nein, nicht grundsätzlich.

Weizen beziehungsweise glutenhaltige Getreide gehören zu den häufigen Triggergruppen bei EoE. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Patient mit EoE auf Gluten oder Weizen reagieren muss.

Eine glutenfreie Ernährung sollte deshalb nicht automatisch mit einer EoE-Diagnose gleichgesetzt werden.

Wenn Weizen als Trigger identifiziert wurde, sollte die Ernährung gezielt angepasst werden. Wenn Weizen dagegen keine Entzündung verursacht, besteht kein medizinischer Grund, ihn dauerhaft zu vermeiden.

Quelle: Gonsalves N et al. Gastroenterology. 2012. PMID: 22391333


Ist EoE eine klassische Nahrungsmittelallergie?

EoE wird als chronische, immunvermittelte Erkrankung betrachtet, bei der Nahrungsmittelantigene eine wichtige Rolle spielen können.

Sie unterscheidet sich jedoch von einer klassischen sofortigen IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergie.

Deshalb können herkömmliche Allergietests die für die EoE relevanten Lebensmittel nicht zuverlässig identifizieren.

Quelle: Visaggi P et al. Nutrients. 2021. PMID: 34066243


Können Allergietests die Trigger-Lebensmittel bestimmen?

Nur eingeschränkt.

Hauttests oder spezifische IgE-Tests können bei Patienten mit EoE sinnvoll sein, wenn zusätzlich eine klassische IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergie vermutet wird.

Sie eignen sich jedoch nicht zuverlässig dazu, die Lebensmittel zu identifizieren, die die eosinophile Entzündung der Speiseröhre verursachen.

In einer klassischen Studie konnten Haut-Prick-Tests nur einen kleinen Teil der durch systematische Wiedereinführung identifizierten EoE-Trigger vorhersagen.

Quelle: Gonsalves N et al. Gastroenterology. 2012. PMID: 22391333


Warum reicht ein Allergietest für die EoE-Diät nicht aus?

Bei EoE können Nahrungsmittelreaktionen unabhängig von einer klassischen IgE-vermittelten Sofortallergie auftreten.

Deshalb bedeutet ein negativer Allergietest nicht automatisch, dass das entsprechende Lebensmittel bei der EoE keine Rolle spielt.

Umgekehrt bedeutet ein positiver Allergietest nicht automatisch, dass dieses Lebensmittel die eosinophile Entzündung der Speiseröhre verursacht.

Quelle: Pitsios C et al. J Clin Med. 2022. PMID: 36233499


Wie lange muss ein Lebensmittel eliminiert werden?

Die Dauer hängt vom gewählten Therapieprotokoll ab.

Viele Studien zu Eliminationsdiäten untersuchten einen Zeitraum von etwa sechs Wochen. Neuere Studien verwenden teilweise längere Zeiträume, insbesondere bei Kindern.

Nach der Eliminationsphase sollte die Wirkung nicht allein anhand der Symptome beurteilt werden. Entscheidend ist die objektive Kontrolle der Entzündungsaktivität.

Quelle: Kliewer KL et al. Lancet Gastroenterol Hepatol. 2023. PMID: 36863390


Wann weiß ich, ob die Ernährungstherapie funktioniert?

Eine Verbesserung von Schluckbeschwerden, Brustschmerzen oder Nahrungsmittelpassage ist ein wichtiges Zeichen.

Sie reicht jedoch nicht aus, um eine histologische Remission sicher festzustellen.

Deshalb sollte der Erfolg einer Ernährungstherapie bei EoE nach entsprechender Therapiephase durch eine endoskopische Untersuchung mit Ösophagusbiopsien kontrolliert werden.

Quelle: Dellon ES et al. Am J Gastroenterol. 2025. PMID: 39745304


Warum ist eine Endoskopie trotz Beschwerdefreiheit notwendig?

Patienten können lernen, ihre Ernährung und ihr Essverhalten an Schluckbeschwerden anzupassen. Dadurch können Symptome weniger auffällig werden, obwohl die Entzündung weiterhin besteht.

Außerdem korrelieren Symptome und histologische Entzündungsaktivität nicht immer zuverlässig.

Deshalb kann eine scheinbare klinische Besserung mit einer weiterhin bestehenden eosinophilen Entzündung einhergehen.

Quelle: Dellon ES et al. Am J Gastroenterol. 2025. PMID: 39745304


Wie funktioniert die Wiedereinführung von Lebensmitteln?

Wenn unter einer Eliminationsdiät eine histologische Remission erreicht wurde, können ausgeschlossene Lebensmittel schrittweise wieder eingeführt werden.

Dabei wird jeweils eine Lebensmittelgruppe kontrolliert wieder aufgenommen.

Anschließend erfolgt – abhängig vom Behandlungskonzept – eine erneute endoskopische und histologische Kontrolle.

Auf diese Weise kann versucht werden, das individuelle Triggerprofil zu bestimmen.

Quelle: Kliewer KL et al. Allergy Asthma Proc. 2018. PMID: 29238902


Warum sollte man nicht dauerhaft möglichst viele Lebensmittel meiden?

Eine unnötig stark eingeschränkte Ernährung kann die Lebensqualität beeinträchtigen und das Risiko einer unzureichenden Nährstoffzufuhr erhöhen.

Ziel einer Ernährungstherapie ist deshalb nicht die größtmögliche Einschränkung, sondern die möglichst genaue Identifikation relevanter Trigger.

Wenn ein Lebensmittel nach erfolgreicher Behandlung keine EoE-Aktivität verursacht, sollte seine Wiedereinführung grundsätzlich erwogen werden.

Quelle: Venter C et al. Nutrients. 2022. PMID: 35458150


Braucht man bei einer Eliminationsdiät eine Ernährungsberatung?

Eine professionelle Ernährungsberatung ist insbesondere bei umfangreichen Eliminationsdiäten sinnvoll.

Sie kann helfen, Energie- und Proteinversorgung, Calcium, Vitamin D, Eisen und weitere Nährstoffe ausreichend abzudecken.

Besonders bei Kindern, Jugendlichen, Schwangeren, älteren Menschen, Untergewicht oder mehreren gleichzeitig bestehenden Nahrungsmittelallergien sollte die Ernährungstherapie individuell geplant werden.

Quelle: American Academy of Allergy, Asthma & Immunology Work Group Report. 2017. PMID: 28283156


Kann eine Eliminationsdiät zu Mangelerscheinungen führen?

Ja, insbesondere wenn mehrere Lebensmittelgruppen über längere Zeit ausgeschlossen werden.

Das Risiko hängt unter anderem davon ab, welche Lebensmittel eliminiert werden und wie gut sie durch geeignete Alternativen ersetzt werden.

Eine fachlich begleitete Ernährungstherapie kann dazu beitragen, Nährstoffdefizite zu vermeiden.

Quelle: Mukkada VA et al. J Acad Nutr Diet. 2020. PMID: 31743470


Was kann man bei einer milchfreien EoE-Diät trinken?

Geeignet sind beispielsweise Wasser, ungesüßter Tee und geeignete pflanzliche Getränke.

Bei längerfristigem Milchausschluss sollte auf eine ausreichende Calcium- und Proteinversorgung geachtet werden.

Pflanzliche Alternativen unterscheiden sich erheblich hinsichtlich Protein-, Calcium- und Vitamin-D-Gehalt. Angereicherte Produkte können daher je nach individueller Ernährung sinnvoll sein.

Quelle: Mukkada VA et al. J Acad Nutr Diet. 2020. PMID: 31743470


Muss man bei einer milchfreien Diät auch Butter vermeiden?

Bei einer konsequenten Milch-Eliminationsdiät müssen Milchbestandteile entsprechend dem jeweiligen Therapieprotokoll vermieden werden.

Butter besteht überwiegend aus Milchfett, kann aber noch geringe Mengen Milchprotein enthalten. Ob einzelne Produkte erlaubt sind, sollte deshalb anhand des konkreten Eliminationsprotokolls und der individuellen Situation entschieden werden.

Quelle: Kliewer KL et al. Allergy Asthma Proc. 2018. PMID: 29238902


Muss man bei EoE laktosefreie Milch vermeiden?

Wenn Milch als EoE-Trigger identifiziert wurde, reicht eine laktosefreie Ernährung nicht aus.

Laktosefreie Milch enthält weiterhin die Milchproteine, die bei EoE relevant sein können.

Eine Laktoseintoleranz und eine immunologisch vermittelte Reaktion auf Milchproteine sind unterschiedliche Erkrankungen.

Quelle: Visaggi P et al. Nutrients. 2021. PMID: 34066243


Sind pflanzliche Milchalternativen bei EoE erlaubt?

Das hängt davon ab, welche Lebensmittelgruppen ausgeschlossen werden.

Hafer-, Reis-, Kokos- oder andere pflanzliche Getränke können geeignete Alternativen sein, sofern die jeweilige Lebensmittelgruppe nicht ebenfalls ausgeschlossen wird.

Bei einer Soja-Eliminationsdiät muss beispielsweise Sojadrink vermieden werden.

Zusätzlich sollte auf eine ausreichende Versorgung mit Protein, Calcium und gegebenenfalls Vitamin D geachtet werden.

Quelle: Mukkada VA et al. J Acad Nutr Diet. 2020. PMID: 31743470


Muss man bei einer Weizen-Eliminationsdiät glutenfrei essen?

Eine EoE-Weizen-Elimination und eine strikt glutenfreie Ernährung sind nicht automatisch identisch.

Wenn Weizen als Trigger eliminiert wird, müssen weizenhaltige Lebensmittel vermieden werden. Ob sämtliche glutenhaltigen Getreide ausgeschlossen werden, hängt vom verwendeten Therapieprotokoll ab.

Die klassische 2-FED verwendet häufig die Formulierung „glutenhaltige Getreide“.

Quelle: Molina-Infante J et al. Gastroenterology. 2018. PMID: 29074457


Sind Hafer und Reis bei einer Weizen-Elimination erlaubt?

Bei einer reinen Weizen-Elimination sind Reis und Hafer grundsätzlich nicht automatisch ausgeschlossen.

Bei einer strikt glutenfreien Ernährung muss dagegen die individuelle Kontamination beziehungsweise Kennzeichnung berücksichtigt werden.

Entscheidend ist daher, ob eine gezielte Weizen-Elimination oder ein umfassenderes glutenfreies Ernährungskonzept verfolgt wird.

Quelle: Molina-Infante J et al. Gastroenterology. 2018. PMID: 29074457


Muss man bei EoE Ei vollständig meiden?

Wenn Ei Bestandteil des gewählten Eliminationsprotokolls ist, sollte es konsequent ausgeschlossen werden.

Ei gehört zu den häufigeren EoE-Triggern, ist aber nicht bei jedem Patienten relevant.

Nach erfolgreicher Eliminationsphase kann eine kontrollierte Wiedereinführung helfen festzustellen, ob Ei individuell tatsächlich eine Rolle spielt.

Quelle: Molina-Infante J et al. J Allergy Clin Immunol. 2014. PMID: 25174868


Muss man Soja bei EoE meiden?

Soja gehört zu den häufig verwendeten Ausschlussgruppen insbesondere bei umfassenderen Eliminationsdiäten.

Es muss jedoch nicht automatisch bei jedem Patienten mit EoE lebenslang vermieden werden.

Die individuelle Relevanz sollte möglichst durch ein strukturiertes Eliminations- und Wiedereinführungsverfahren geklärt werden.

Quelle: Dellon ES et al. Am J Gastroenterol. 2022. PMID: 35971213


Muss man Nüsse bei EoE meiden?

Nüsse und Erdnüsse gehören zur klassischen 6-FED.

Sie müssen aber nicht automatisch bei jeder EoE eliminiert werden.

Ein Ausschluss ist insbesondere dann relevant, wenn ein entsprechendes Eliminationsprotokoll durchgeführt wird oder eine individuelle Relevanz nachgewiesen wurde.

Quelle: Gonsalves N et al. Gastroenterology. 2012. PMID: 22391333


Muss man Fisch und Meeresfrüchte meiden?

Fisch und Meeresfrüchte gehören ebenfalls zu den sechs Lebensmittelgruppen der klassischen 6-FED.

Auch hier gilt: Die Aufnahme in die 6-FED bedeutet nicht, dass jeder Patient auf Fisch oder Meeresfrüchte reagiert.

Nach erfolgreicher Remission können diese Lebensmittel kontrolliert wieder eingeführt werden, wenn keine andere allergologische Indikation dagegen spricht.

Quelle: Gonsalves N et al. Gastroenterology. 2012. PMID: 22391333


Ist eine vegetarische Ernährung bei EoE möglich?

Ja.

Eine vegetarische Ernährung kann grundsätzlich mit einer EoE-Ernährungstherapie kombiniert werden.

Allerdings können sich die Einschränkungen bei gleichzeitiger Eliminierung von Milch, Ei, Soja und weiteren Lebensmitteln deutlich verstärken.

Deshalb sollte insbesondere bei umfangreichen Eliminationsdiäten auf eine ausreichende Protein- und Mikronährstoffversorgung geachtet werden.

Quelle: Mukkada VA et al. J Acad Nutr Diet. 2020. PMID: 31743470


Ist eine vegane Ernährung bei EoE möglich?

Ja, grundsätzlich ist eine vegane Ernährung auch bei EoE möglich.

Bei einer veganen Ernährung fallen Milch und Ei bereits weg. Werden zusätzlich Weizen, Soja, Nüsse oder weitere Lebensmittelgruppen eliminiert, kann die Auswahl geeigneter Lebensmittel jedoch erheblich eingeschränkt werden.

Eine individuelle ernährungsmedizinische Beratung ist dann besonders sinnvoll.

Quelle: Venter C et al. Nutrients. 2022. PMID: 35458150


Ist die FODMAP-Diät bei EoE sinnvoll?

Die FODMAP-Diät ist keine etablierte spezifische Therapie der eosinophilen Ösophagitis.

Sie wurde primär zur Behandlung funktioneller gastrointestinaler Beschwerden, insbesondere des Reizdarmsyndroms, entwickelt.

Wenn zusätzlich ein Reizdarmsyndrom oder andere funktionelle Beschwerden bestehen, kann eine FODMAP-Therapie unabhängig von der EoE diskutiert werden. Sie sollte jedoch nicht mit der EoE-Eliminationsdiät gleichgesetzt werden.

Quelle: Dellon ES et al. Am J Gastroenterol. 2025. PMID: 39745304


Kann EoE durch eine glutenfreie Ernährung geheilt werden?

Eine glutenfreie Ernährung ist keine allgemeine Heilbehandlung für EoE.

Bei manchen Patienten kann Weizen beziehungsweise glutenhaltiges Getreide ein relevanter Trigger sein. Bei anderen Patienten ist dies nicht der Fall.

Eine langfristige glutenfreie Ernährung sollte deshalb nicht allein aufgrund der Diagnose EoE begonnen werden.

Quelle: Gonsalves N et al. Gastroenterology. 2012. PMID: 22391333


Kann eine Ernährungstherapie die EoE dauerhaft beseitigen?

EoE gilt als chronische Erkrankung.

Eine erfolgreiche Eliminationsdiät kann bei einzelnen Patienten zu einer längerfristigen klinischen und histologischen Remission führen, solange relevante Trigger vermieden werden.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die zugrunde liegende Krankheitsneigung dauerhaft verschwunden ist.

Quelle: Arias Á et al. Nutrients. 2024. PMID: 39064673


Was passiert, wenn man das Trigger-Lebensmittel wieder isst?

Wenn ein individuell relevantes Trigger-Lebensmittel wieder eingeführt wird, kann die eosinophile Entzündung erneut auftreten.

In Studien führte die kontrollierte Wiedereinführung identifizierter Lebensmittel bei manchen Patienten zu einer erneuten Zunahme der eosinophilen Entzündung.

Deshalb sollte die Wiedereinführung systematisch und möglichst unter medizinischer Begleitung erfolgen.

Quelle: Gonsalves N et al. Gastroenterology. 2012. PMID: 22391333


Wie viele Trigger-Lebensmittel hat ein Patient mit EoE normalerweise?

Das ist individuell sehr unterschiedlich.

In einer großen Kohorte erwachsener Patienten, die eine 6-FED erfolgreich durchlaufen und anschließend Lebensmittel wieder eingeführt hatten, wurde bei den meisten Patienten ein oder zwei Trigger-Lebensmittel identifiziert.

Milch, Weizen und Soja gehörten zu den häufigsten identifizierten Triggern.

Quelle: Dellon ES et al. Am J Gastroenterol. 2022. PMID: 35971213


Kann man nach einer erfolgreichen 6-FED wieder mehr Lebensmittel essen?

Ja – und genau das ist ein wichtiges Ziel der Ernährungstherapie.

Nach einer erfolgreichen Eliminationsphase werden die ausgeschlossenen Lebensmittel möglichst systematisch einzeln wieder eingeführt.

Ziel ist eine individuell angepasste Ernährung mit möglichst wenigen dauerhaften Einschränkungen.

Quelle: Dellon ES et al. Am J Gastroenterol. 2022. PMID: 35971213


Muss jede Wiedereinführung mit einer Magenspiegelung kontrolliert werden?

Bei einer medizinisch strukturierten EoE-Eliminationsdiät ist die histologische Kontrolle nach relevanten Ernährungsschritten wichtig.

Da Symptome und Entzündungsaktivität nicht zuverlässig übereinstimmen, kann eine erneute Endoskopie mit Biopsien erforderlich sein, um die Wirkung einer Lebensmittel-Wiedereinführung objektiv zu beurteilen.

Wie viele Endoskopien notwendig sind, hängt von der gewählten Strategie ab.

Quelle: Dellon ES et al. Am J Gastroenterol. 2025. PMID: 39745304


Kann man eine Eliminationsdiät auch ohne Endoskopie durchführen?

Eine eigenständige Ernährungsumstellung kann zwar durchgeführt werden, sie erlaubt jedoch keine sichere Beurteilung, ob die eosinophile Entzündung tatsächlich zurückgegangen ist.

Bei einer therapeutischen EoE-Eliminationsdiät sollte die Wirksamkeit deshalb objektiv kontrolliert werden.

Quelle: Dellon ES et al. Am J Gastroenterol. 2025. PMID: 39745304


Was ist eine Elementardiät?

Bei einer Elementardiät werden normale Lebensmittel weitgehend durch eine Aminosäure-basierte Formulanahrung ersetzt.

Da dabei die meisten potenziellen Nahrungsmittelproteine entfernt werden, kann eine Elementardiät eine sehr hohe histologische Wirksamkeit erreichen.

Sie ist jedoch aufwendig, teuer und im Alltag schwer umzusetzen. Deshalb wird sie in der Regel besonderen Situationen vorbehalten.

Quelle: Arias Á et al. Nutrients. 2024. PMID: 39064673


Wie wirksam ist eine Elementardiät?

Die aktuelle Metaanalyse von 2024 errechnete für Elementardiäten eine gepoolte histologische Remissionsrate von etwa 94,5 %.

Diese hohe Wirksamkeit geht allerdings mit erheblichen praktischen Einschränkungen einher.

Eine Elementardiät ist deshalb nicht automatisch die bevorzugte Ernährungstherapie für jeden Patienten.

Quelle: Arias Á et al. Nutrients. 2024. PMID: 39064673


Was ist die Step-up-Strategie bei EoE?

Bei der Step-up-Strategie beginnt man mit einer möglichst wenig restriktiven Eliminationsdiät.

Ein mögliches Schema ist:

1-FED → 2-FED → 4-FED → 6-FED

Wenn beispielsweise eine Milch-Elimination nicht ausreicht, können weitere Lebensmittelgruppen hinzugenommen werden.

Der Vorteil besteht darin, dass Patienten nicht von Anfang an unnötig viele Lebensmittel meiden müssen.

Quelle: Molina-Infante J et al. Gastroenterology. 2018. PMID: 29074457


Ist eine 1-FED oder eine 6-FED besser?

Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten.

Eine 6-FED kann eine höhere Remissionswahrscheinlichkeit erreichen, ist aber wesentlich restriktiver.

Eine randomisierte Studie bei Erwachsenen zeigte, dass eine 1-FED mit Milch nach sechs Wochen ähnliche histologische und endoskopische Verbesserungen wie eine 6-FED erreichen konnte.

Die Wahl sollte deshalb gemeinsam mit dem behandelnden Team und unter Berücksichtigung von Alter, Ernährungsform, Begleiterkrankungen und persönlichen Präferenzen erfolgen.

Quelle: Kliewer KL et al. Lancet Gastroenterol Hepatol. 2023. PMID: 36863390


Ist eine 1-FED auch für Kinder geeignet?

Aktuelle Daten sprechen dafür, dass eine 1-FED mit Milch auch bei Kindern eine sinnvolle erste Ernährungstherapie sein kann.

In einer multizentrischen randomisierten Studie mit Kindern und Jugendlichen waren die histologischen Remissionsraten unter 1-FED und 4-FED ähnlich. Die 1-FED war zugleich weniger restriktiv.

Quelle: Kliewer KL et al. J Allergy Clin Immunol. 2025. PMID: 39233016


Kann man mit einer Eliminationsdiät gleichzeitig abnehmen?

Eine Gewichtsabnahme ist kein Ziel der EoE-Eliminationsdiät.

Wenn durch die Ernährungstherapie ungewollt deutlich weniger Kalorien aufgenommen werden, sollte die Ernährung angepasst werden.

Bei Kindern, Jugendlichen oder bereits bestehendem Untergewicht ist eine ausreichende Energieversorgung besonders wichtig.

Quelle: Mukkada VA et al. J Acad Nutr Diet. 2020. PMID

Wesentliche Quellen:

Dellon ES et al.ACG Clinical Guideline: Diagnosis and Management of Eosinophilic Esophagitis. Am J Gastroenterol. 2025;120:31–59. PMID: 39745304.

Arias Á et al.Efficacy of Dietary Therapy for Eosinophilic Esophagitis in Children and Adults: An Updated Systematic Review and Meta-Analysis. Nutrients. 2024;16:2231. PMID: 39064673.

Kliewer KL et al.One-food versus six-food elimination diet therapy for the treatment of eosinophilic oesophagitis. Lancet Gastroenterol Hepatol. 2023;8:408–421. PMID: 36863390.

Kliewer KL et al.One-food versus 4-food elimination diet for pediatric eosinophilic esophagitis: A multisite randomized trial. J Allergy Clin Immunol. 2025;155:520–532. PMID: 39233016.

Molina-Infante J et al.Step-up empiric elimination diet for pediatric and adult eosinophilic esophagitis: The 2-4-6 study. Gastroenterology. 2018. PMID: 29074457.

Molina-Infante J et al.Four-food group elimination diet for adult eosinophilic esophagitis. J Allergy Clin Immunol. 2014. PMID: 25174868.

Gonsalves N et al.Elimination diet effectively treats eosinophilic esophagitis in adults; food reintroduction identifies causative factors. Gastroenterology. 2012. PMID: 22391333.

Dellon ES et al.Long-Term Outcomes of the Six-Food Elimination Diet and Food Reintroduction in a Large Cohort of Adults With Eosinophilic Esophagitis. Am J Gastroenterol. 2022. PMID: 35971213.

Visaggi P et al.Dietary Management of Eosinophilic Esophagitis: Tailoring the Approach. Nutrients. 2021. PMID: 34066243.

Mukkada VA et al.Tutorial: Nutrition Therapy in Eosinophilic Esophagitis—Outcomes and Deficiencies. J Acad Nutr Diet. 2020. PMID: 31743470.

Venter C et al.Nutritional and Psychological Considerations for Dietary Therapy in Eosinophilic Esophagitis. Nutrients. 2022. PMID: 35458150.

Pitsios C et al.Allergy-Test-Based Elimination Diets for the Treatment of Eosinophilic Esophagitis: A Systematic Review of Their Efficacy. J Clin Med. 2022. PMID: 36233499.