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Eigenbrauersyndrom (Auto-Brewery Syndrome)

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Wenn der Darm selbst Alkohol produziert

Das Eigenbrauersyndrom, international als Auto-Brewery Syndrome (ABS) oder Gut Fermentation Syndrome bezeichnet, ist eine sehr seltene Erkrankung, bei der Mikroorganismen im Verdauungstrakt Kohlenhydrate zu Ethanol (Alkohol) vergären. Dadurch können Alkoholspiegel im Blut oder in der Atemluft ansteigen, obwohl die betroffene Person keinen Alkohol getrunken hat.

Betroffene können dadurch Symptome entwickeln, die einer Alkoholintoxikation ähneln – beispielsweise Benommenheit, Gangunsicherheit, Sprachstörungen, Schwindel oder Konzentrationsprobleme. Das Krankheitsbild ist selten und diagnostisch anspruchsvoll; andere Ursachen für erhöhte Alkoholwerte und entsprechende Beschwerden müssen sorgfältig ausgeschlossen werden.

Quelle: Raithel M et al. Endogenous Alcohol Production in the Human Micro- and Mycobiome: Auto-Brewery Syndrome. Gastroenterologe. 2026.
PMID: 41862195


Was ist das Eigenbrauersyndrom?

Beim Eigenbrauersyndrom entsteht Ethanol im Körper selbst. Bestimmte Mikroorganismen können Kohlenhydrate, insbesondere Zucker, durch alkoholische Gärung in Ethanol umwandeln.

Unter bestimmten Bedingungen kann diese endogene Alkoholproduktion so ausgeprägt sein, dass messbare Blut- oder Atemalkoholkonzentrationen entstehen und Symptome einer Alkoholisierung auftreten.

Das Syndrom wird auch als Auto-Brewery Syndrome, Gut Fermentation Syndrome, Endogenous Alcohol Fermentation Syndrome oder umgangssprachlich als „Darmbrauerei“ bezeichnet.

Quelle: Cordell BJ. Auto-Brewery Syndrome: Diagnosis and Treatment of This Little-Known Condition. Am J Nurs. 2025.
PMID: 40702625


Wie entsteht das Eigenbrauersyndrom?

Die Entstehung wird mit einer veränderten Zusammensetzung oder Aktivität der Mikroorganismen im Darm in Verbindung gebracht. Dabei können bestimmte Hefen oder Bakterien Kohlenhydrate fermentieren und Ethanol bilden.

In den bisher beschriebenen Fällen wurden unter anderem Saccharomyces-Arten, Candida-Arten, Klebsiella pneumoniae und Escherichia coli als mögliche ethanolproduzierende Mikroorganismen beschrieben.

Das bedeutet jedoch nicht, dass der Nachweis eines dieser Mikroorganismen allein die Diagnose eines Eigenbrauersyndroms beweist.

Quelle: Gubbels MM et al. Gut fermentation syndrome: A systematic review of case reports. J Med Case Rep. 2021.
PMID: 33887125


Welche Rolle spielt das Darmmikrobiom?

Das Darmmikrobiom besteht aus einer Vielzahl von Bakterien, Pilzen und anderen Mikroorganismen. Unter bestimmten Bedingungen können Mikroorganismen mit fermentativen Stoffwechselwegen stärker zur Ethanolbildung beitragen.

Neuere Untersuchungen sprechen dafür, dass bei ABS nicht nur das Mykobiom, sondern auch bakterielle Stoffwechselwege eine Rolle spielen können. Die genaue Bedeutung einzelner Mikroorganismen und der Zusammensetzung des Mikrobioms ist Gegenstand aktueller Forschung.

Quelle: Heaney C et al. Gut microbial ethanol metabolism contributes to Auto-brewery Syndrome in an observational cohort. Nature Microbiology. 2026.
PMID: 41507585


Welche Beschwerden verursacht das Eigenbrauersyndrom?

Die Beschwerden können erheblich variieren. Typisch sind Symptome, die einer Alkoholintoxikation ähneln.

Mögliche Beschwerden sind:

  • Benommenheit
  • Schwindel
  • Gangunsicherheit
  • undeutliche Sprache
  • Müdigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Verwirrtheit
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Bauchbeschwerden
  • Blähungen
  • Leistungseinbußen
  • auffälliger Alkoholgeruch

Die Beschwerden können insbesondere nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten auftreten.

Quelle: Raithel M et al. 2026; PMID: 41862195.
Quelle: Elkhateeb O et al. Auto-Brewery Syndrome: A Clinical Dilemma. Cureus. 2020; PMID: 33209539.


Kann man vom Eigenbrauersyndrom betrunken werden?

Ja. Wenn im Darm ausreichend Ethanol produziert wird und in den Blutkreislauf gelangt, können klinische Symptome einer Alkoholisierung entstehen.

In den publizierten Fällen wurden unter anderem erhöhte Blutalkohol- oder Atemalkoholwerte dokumentiert, obwohl die Betroffenen angegeben hatten, keinen Alkohol konsumiert zu haben.

Quelle: Elkhateeb O et al. 2020; PMID: 33209539.
Quelle: Raithel M et al. 2026; PMID: 41862195.


Welche Faktoren können das Eigenbrauersyndrom begünstigen?

Das Krankheitsbild wurde unter verschiedenen klinischen Konstellationen beschrieben. Dazu gehören Veränderungen des Darmmikrobioms, Störungen der Darmmotilität und bestimmte Grunderkrankungen.

Auch vorausgegangene Antibiotikabehandlungen, Veränderungen des gastrointestinalen Milieus und bestimmte Stoffwechselerkrankungen werden in der Literatur als mögliche begünstigende Faktoren diskutiert.

Ein einzelner Risikofaktor reicht allerdings nicht aus, um ein Eigenbrauersyndrom zu diagnostizieren.

Quelle: Gubbels MM et al. 2021; PMID: 33887125.
Quelle: Paramsothy J et al. Understanding Auto-Brewery Syndrome in 2023. Cureus. 2023; PMID: 37206535.


Wie wird das Eigenbrauersyndrom diagnostiziert?

Eine sorgfältige Diagnostik ist entscheidend

Die Diagnose eines Eigenbrauersyndroms ist anspruchsvoll. Zunächst müssen andere Ursachen für einen erhöhten Alkoholspiegel ausgeschlossen werden.

Besonders wichtig ist eine genaue Eigen- und Fremdanamnese. Anschließend kann unter kontrollierten Bedingungen untersucht werden, ob nach Aufnahme eines definierten Kohlenhydrat-Testsubstrats tatsächlich ein Anstieg des Ethanolspiegels auftritt.

Quelle: Raithel M et al. 2026; PMID: 41862195.


Was ist ein Kohlenhydrat-Provokationstest?

Bei einem kontrollierten Kohlenhydrat-Provokationstest wird ein definiertes Kohlenhydrat verabreicht und anschließend wiederholt der Alkoholgehalt in Blut und/oder Atemluft bestimmt.

Ein reproduzierbarer Anstieg des Ethanolspiegels nach Kohlenhydrataufnahme kann einen wichtigen diagnostischen Hinweis liefern. Die Untersuchung sollte unter medizinischer Überwachung erfolgen.

Quelle: Elkhateeb O et al. 2020; PMID: 33209539.
Quelle: Raithel M et al. 2026; PMID: 41862195.


Warum reicht ein positiver Alkoholtest nicht aus?

Ein erhöhter Alkoholwert beweist allein kein Eigenbrauersyndrom. Zunächst müssen insbesondere ein tatsächlicher Alkoholkonsum, Messfehler und andere Ursachen für einen erhöhten Ethanolspiegel berücksichtigt werden.

Erst die Kombination aus Anamnese, wiederholten Messungen, Ausschluss anderer Ursachen und gegebenenfalls kontrollierter Kohlenhydratprovokation kann die Diagnose stützen.

Quelle: Akbaba M. A medicolegal approach to the very rare Auto-Brewery syndrome. Traffic Inj Prev. 2020; PMID: 32255712.
Quelle: Cordell BJ. 2025; PMID: 40702625.


Welche Mikroorganismen können Alkohol produzieren?

In den beschriebenen Fällen wurden unter anderem folgende Mikroorganismen gefunden:

  • Candida albicans
  • Candida glabrata
  • Candida intermedia
  • Candida parapsilosis
  • Candida kefyr
  • Saccharomyces cerevisiae
  • Klebsiella pneumoniae
  • Escherichia coli

Die vorhandenen Daten stammen überwiegend aus Fallberichten. Deshalb lässt sich aus dem Nachweis eines einzelnen Mikroorganismus nicht automatisch ableiten, dass dieser die Ursache der endogenen Alkoholproduktion ist.

Quelle: Gubbels MM et al. 2021; PMID: 33887125.


Behandlung des Eigenbrauersyndroms

Wie wird das Eigenbrauersyndrom behandelt?

Da das Eigenbrauersyndrom sehr selten ist, existieren bislang keine standardisierten, durch große randomisierte Studien abgesicherten Therapieprotokolle.

Die Behandlung richtet sich nach der vermuteten Ursache und dem nachgewiesenen mikrobiellen Erreger. Beschrieben wurden insbesondere eine zeitweise Reduktion fermentierbarer Kohlenhydrate sowie gezielte antimikrobielle oder antimykotische Therapien.

Zusätzlich sollten mögliche zugrunde liegende Erkrankungen behandelt werden.

Quelle: Gubbels MM et al. 2021; PMID: 33887125.
Quelle: Cordell BJ. 2025; PMID: 40702625.


Welche Rolle spielt die Ernährung?

Da Kohlenhydrate als Ausgangssubstrat für die mikrobielle Alkoholproduktion dienen können, wird häufig eine zeitweise Reduktion schnell fermentierbarer Kohlenhydrate eingesetzt.

Die Ernährung sollte jedoch individuell angepasst werden und nicht zu einer unnötig starken oder langfristigen Einschränkung führen.

Quelle: Elkhateeb O et al. 2020; PMID: 33209539.
Quelle: Raithel M et al. 2026; PMID: 41862195.


Werden Antibiotika oder Antimykotika eingesetzt?

Ja. Je nach nachgewiesenem oder vermutetem Erreger wurden in Fallberichten Antibiotika oder antimykotische Medikamente eingesetzt.

Eine solche Behandlung sollte jedoch nicht allein aufgrund unspezifischer Beschwerden erfolgen. Die Auswahl des Wirkstoffs sollte sich möglichst an der diagnostischen Situation und dem vermuteten bzw. nachgewiesenen Erreger orientieren.

Quelle: Gubbels MM et al. 2021; PMID: 33887125.
Quelle: Paramsothy J et al. 2023; PMID: 37206535.


Können Probiotika helfen?

Probiotika wurden als möglicher Bestandteil eines therapeutischen Konzeptes beschrieben. Die wissenschaftliche Evidenz reicht derzeit jedoch nicht aus, um ein bestimmtes Probiotikum oder eine standardisierte Probiotikatherapie für alle Betroffenen zu empfehlen.

Quelle: Gubbels MM et al. 2021; PMID: 33887125.


Ist eine Stuhltransplantation bei Eigenbrauersyndrom möglich?

Eine fäkale Mikrobiota-Transplantation (FMT) wurde in einzelnen Fällen bzw. als mögliche zukünftige Therapie diskutiert. Aufgrund der sehr begrenzten Datenlage kann daraus derzeit keine etablierte Standardtherapie abgeleitet werden.

Quelle: Gubbels MM et al. 2021; PMID: 33887125.
Quelle: Heaney C et al. 2026; PMID: 41507585.


Eigenbrauersyndrom und Darmgesundheit

Gibt es einen Zusammenhang mit SIBO?

SIBO und Eigenbrauersyndrom sind unterschiedliche Krankheitsbilder. Beide können jedoch mit Veränderungen des intestinalen Mikrobioms und gastrointestinalen Beschwerden verbunden sein.

Ein positiver SIBO-Atemtest bedeutet deshalb nicht, dass ein Eigenbrauersyndrom vorliegt. Umgekehrt ist eine vermutete Darmfehlbesiedlung kein ausreichender Beweis für eine endogene Alkoholproduktion.

Quelle: Gubbels MM et al. 2021; PMID: 33887125.
Quelle: Raithel M et al. 2026; PMID: 41862195.


Eigenbrauersyndrom und Leber

Endogen produzierter Alkohol wird über die Leber metabolisiert. Bei ausgeprägter oder wiederholter endogener Alkoholproduktion wird deshalb auch ein möglicher Zusammenhang mit Lebererkrankungen untersucht.

Die Bedeutung chronisch erhöhter endogener Ethanolproduktion für die Entstehung oder Progression von Lebererkrankungen ist allerdings noch nicht abschließend geklärt.

Quelle: Stamation R et al. Endogenous Ethanol Production in the Human Alimentary Tract: A Literature Review. J Gastroenterol Hepatol. 2025; PMID: 39853762.


Eigenbrauersyndrom und Autofahren

Das Eigenbrauersyndrom kann erhebliche praktische und rechtliche Konsequenzen haben. Wenn tatsächlich endogener Alkohol produziert wird, können Blut- oder Atemalkoholmessungen erhöht sein, obwohl kein Alkohol konsumiert wurde.

Bei ungeklärten Alkoholwerten muss deshalb eine medizinisch und forensisch sorgfältige Abklärung erfolgen. Die Diagnose sollte nicht allein aufgrund der Aussage eines Betroffenen gestellt werden.

Quelle: Akbaba M. 2020; PMID: 32255712.
Quelle: Logan BK, Jones AW. Endogenous ethanol ‚auto-brewery syndrome‘ as a drunk-driving defence challenge. Med Sci Law. 2000; PMID: 10976182.


Eigenbrauersyndrom – die 40 häufigsten Fragen

1. Was ist das Eigenbrauersyndrom?

Beim Eigenbrauersyndrom produzieren Mikroorganismen im Verdauungstrakt Ethanol aus aufgenommenen Kohlenhydraten. Dadurch können Alkoholspiegel und Symptome einer Alkoholisierung entstehen, obwohl kein Alkohol getrunken wurde.
Quelle: Raithel M et al., 2026; PMID: 41862195.

2. Was bedeutet Auto-Brewery Syndrome?

Auto-Brewery Syndrome ist die englische Bezeichnung für das Eigenbrauersyndrom. International werden auch die Begriffe Gut Fermentation Syndrome und Endogenous Alcohol Fermentation Syndrome verwendet.
Quelle: Gubbels MM et al., 2021; PMID: 33887125.

3. Kann der Darm tatsächlich Alkohol produzieren?

Ja. Bestimmte Mikroorganismen können Kohlenhydrate über fermentative Stoffwechselwege in Ethanol umwandeln. Unter pathologischen Bedingungen kann diese Produktion klinisch relevant werden.
Quelle: Heaney C et al., 2026; PMID: 41507585.

4. Kann man ohne Alkohol trinken betrunken sein?

Bei einem ausgeprägten Eigenbrauersyndrom kann die endogene Ethanolproduktion zu Blutalkoholwerten führen, die Symptome einer Alkoholisierung verursachen. Dieses Phänomen ist in Fallberichten dokumentiert.
Quelle: Elkhateeb O et al., 2020; PMID: 33209539.

5. Welche Symptome verursacht das Eigenbrauersyndrom?

Mögliche Symptome sind Benommenheit, Schwindel, Gangunsicherheit, Sprachstörungen, Verwirrtheit, Müdigkeit und Konzentrationsprobleme. Zusätzlich können gastrointestinale Beschwerden auftreten.
Quelle: Raithel M et al., 2026; PMID: 41862195.

6. Kann das Eigenbrauersyndrom Schwindel verursachen?

Schwindel kann im Rahmen einer endogenen Alkoholisierung auftreten. Das Symptom ist allerdings unspezifisch und allein nicht für die Diagnose geeignet.
Quelle: Paramsothy J et al., 2023; PMID: 37206535.

7. Kann das Eigenbrauersyndrom Müdigkeit verursachen?

Müdigkeit und Leistungseinbußen wurden bei Betroffenen beschrieben. Sie können durch die endogene Ethanolbildung beziehungsweise deren neurologische Auswirkungen entstehen, sind aber nicht spezifisch für ABS.
Quelle: Raithel M et al., 2026; PMID: 41862195.

8. Kann das Eigenbrauersyndrom nach dem Essen auftreten?

Ja. Beschwerden können insbesondere nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten auftreten, weil Kohlenhydrate als Substrat für die mikrobielle Fermentation dienen.
Quelle: Raithel M et al., 2026; PMID: 41862195.

9. Welche Lebensmittel können Beschwerden auslösen?

Vor allem kohlenhydratreiche Lebensmittel können die Ethanolproduktion begünstigen, wenn entsprechende fermentierende Mikroorganismen vorhanden sind. Dazu können beispielsweise Zucker und stärkereiche Lebensmittel gehören.
Quelle: Elkhateeb O et al., 2020; PMID: 33209539.

10. Welche Mikroorganismen verursachen das Eigenbrauersyndrom?

Beschrieben wurden unter anderem Candida, Saccharomyces, Klebsiella pneumoniae und Escherichia coli. Die verantwortlichen Mikroorganismen können sich zwischen den Fällen unterscheiden.
Quelle: Gubbels MM et al., 2021; PMID: 33887125.

11. Ist Candida die Ursache des Eigenbrauersyndroms?

Candida-Arten wurden in mehreren Fällen nachgewiesen und können Ethanol produzieren. Candida ist jedoch nicht bei allen Fällen der verantwortliche Mikroorganismus.
Quelle: Gubbels MM et al., 2021; PMID: 33887125.

12. Kann Saccharomyces das Eigenbrauersyndrom verursachen?

Saccharomyces cerevisiae kann Zucker zu Ethanol fermentieren und wurde bei Patienten mit Auto-Brewery Syndrome beschrieben. Der Nachweis allein beweist jedoch noch keine krankheitsverursachende Rolle.
Quelle: Gubbels MM et al., 2021; PMID: 33887125.

13. Kann Klebsiella Alkohol produzieren?

Bestimmte Klebsiella-Stämme können Kohlenhydrate fermentieren und Ethanol bilden. Klebsiella pneumoniae wurde in Fällen von Gut Fermentation Syndrome als möglicher Erreger beschrieben.
Quelle: Gubbels MM et al., 2021; PMID: 33887125.

14. Ist Eigenbrauersyndrom dasselbe wie SIBO?

Nein. SIBO bezeichnet eine vermehrte bakterielle Besiedlung des Dünndarms, während beim Eigenbrauersyndrom die pathologische endogene Ethanolproduktion im Mittelpunkt steht.
Quelle: Gubbels MM et al., 2021; PMID: 33887125.

15. Wie wird das Eigenbrauersyndrom diagnostiziert?

Die Diagnostik basiert auf einer sorgfältigen Anamnese, dem Ausschluss anderer Ursachen und gegebenenfalls einer kontrollierten Kohlenhydratprovokation mit wiederholter Messung von Ethanol.
Quelle: Raithel M et al., 2026; PMID: 41862195.

16. Gibt es einen Test auf Eigenbrauersyndrom?

Es gibt keinen einfachen standardisierten Routinetest. Ein kontrollierter Kohlenhydrat-Provokationstest mit Messung von Blut- oder Atemethanol kann zur Bestätigung eingesetzt werden.
Quelle: Cordell BJ, 2025; PMID: 40702625.

17. Was ist ein Kohlenhydrat-Provokationstest?

Dabei wird unter kontrollierten Bedingungen ein definiertes Kohlenhydrat verabreicht. Anschließend wird geprüft, ob der Ethanolspiegel reproduzierbar ansteigt.
Quelle: Elkhateeb O et al., 2020; PMID: 33209539.

18. Kann man Eigenbrauersyndrom mit einem Atemtest feststellen?

Atemalkoholmessungen können im Rahmen der Diagnostik eingesetzt werden. Für eine belastbare Diagnose ist jedoch die kontrollierte Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Kohlenhydrataufnahme und Ethanolanstieg entscheidend.
Quelle: Cordell BJ, 2025; PMID: 40702625.

19. Muss Blutalkohol gemessen werden?

Blutethanol kann ein wichtiger diagnostischer Parameter sein. Je nach Untersuchungsprotokoll können zusätzlich Atemalkohol und weitere Laborparameter bestimmt werden.
Quelle: Elkhateeb O et al., 2020; PMID: 33209539.

20. Wie kann man Eigenbrauersyndrom von Alkoholkonsum unterscheiden?

Zunächst müssen Angaben zum Alkoholkonsum sorgfältig erhoben und andere Ursachen ausgeschlossen werden. Eine kontrollierte Kohlenhydratprovokation mit dokumentiertem Ethanolanstieg kann die Diagnose unterstützen.
Quelle: Raithel M et al., 2026; PMID: 41862195.

21. Ist Eigenbrauersyndrom selten?

Ja. Die verfügbare Literatur besteht überwiegend aus Fallberichten und kleinen Fallserien. Eine aktuelle deutschsprachige Übersichtsarbeit beschreibt etwa 30 dokumentierte Fälle.
Quelle: Raithel M et al., 2026; PMID: 41862195.

22. Ist Eigenbrauersyndrom gefährlich?

Das Syndrom kann erhebliche gesundheitliche und soziale Folgen haben, insbesondere wenn wiederholt Symptome einer Alkoholisierung auftreten. Zudem können Stürze, Verkehrsunfälle und andere Situationen mit erhöhtem Risiko entstehen.
Quelle: Stamation R et al., 2025; PMID: 39853762.

23. Kann Eigenbrauersyndrom zu einem positiven Alkoholtest führen?

Ja. Wenn ausreichend Ethanol endogen gebildet und in den Blutkreislauf aufgenommen wird, können Blut- und Atemalkoholmessungen positiv ausfallen.
Quelle: Akbaba M, 2020; PMID: 32255712.

24. Kann Eigenbrauersyndrom beim Autofahren relevant sein?

Ja. Ein unerkannter Anstieg des endogenen Ethanolspiegels kann erhebliche verkehrsmedizinische und rechtliche Konsequenzen haben.
Quelle: Logan BK, Jones AW, 2000; PMID: 10976182.

25. Wie wird Eigenbrauersyndrom behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach der individuellen Situation und dem vermuteten Erreger. Beschrieben wurden eine Kohlenhydratreduktion sowie gezielte antimykotische oder antibiotische Therapien.
Quelle: Gubbels MM et al., 2021; PMID: 33887125.

26. Helfen Antimykotika?

Antimykotika wurden insbesondere bei Fällen mit nachgewiesenen ethanolproduzierenden Hefen eingesetzt. Die Evidenz basiert jedoch überwiegend auf Fallberichten und nicht auf großen kontrollierten Studien.
Quelle: Gubbels MM et al., 2021; PMID: 33887125.

27. Helfen Antibiotika?

Bei bakteriell bedingten Fällen wurden Antibiotika eingesetzt. Eine antibiotische Behandlung sollte jedoch gezielt und nicht allein aufgrund unspezifischer gastrointestinaler Beschwerden erfolgen.
Quelle: Gubbels MM et al., 2021; PMID: 33887125.

28. Muss man bei Eigenbrauersyndrom Kohlenhydrate meiden?

Eine zeitweise Reduktion fermentierbarer Kohlenhydrate kann Bestandteil der Behandlung sein. Eine dauerhafte oder sehr restriktive Kohlenhydratvermeidung ist jedoch nicht für alle Betroffenen erforderlich.
Quelle: Raithel M et al., 2026; PMID: 41862195.

29. Kann eine Low-FODMAP-Diät helfen?

Eine Low-FODMAP-Ernährung kann die Zufuhr bestimmter fermentierbarer Kohlenhydrate reduzieren. Für eine spezifische Wirksamkeit der Low-FODMAP-Diät beim Eigenbrauersyndrom fehlen jedoch ausreichende klinische Studien.
Quelle: Gubbels MM et al., 2021; PMID: 33887125.

30. Helfen Probiotika?

Probiotika wurden als mögliche Therapieoption diskutiert. Die Evidenz reicht derzeit nicht aus, um eine bestimmte Probiotikatherapie als Standardbehandlung festzulegen.
Quelle: Gubbels MM et al., 2021; PMID: 33887125.

31. Kann eine Stuhltransplantation helfen?

Eine FMT wurde als mögliche Therapie diskutiert und in einzelnen Fällen eingesetzt. Aufgrund der sehr begrenzten Datenlage ist sie derzeit keine etablierte Standardtherapie des Eigenbrauersyndroms.
Quelle: Gubbels MM et al., 2021; PMID: 33887125.

32. Kann Eigenbrauersyndrom wiederkommen?

Ja. Ein Wiederauftreten ist möglich, insbesondere wenn zugrunde liegende Faktoren oder die mikrobielle Dysregulation fortbestehen.
Quelle: Cordell BJ, 2025; PMID: 40702625.

33. Welche Erkrankungen können mit Eigenbrauersyndrom zusammenhängen?

In der Literatur wurden unter anderem gastrointestinale Erkrankungen, Motilitätsstörungen und Veränderungen des Darmmikrobioms beschrieben. Die Zusammenhänge sind aufgrund der Seltenheit des Syndroms noch nicht vollständig geklärt.
Quelle: Paramsothy J et al., 2023; PMID: 37206535.

34. Kann Eigenbrauersyndrom nach Antibiotika auftreten?

Antibiotikabehandlungen werden in einigen Fallberichten im Zusammenhang mit Veränderungen des Darmmikrobioms beschrieben. Ein kausaler Zusammenhang zwischen Antibiotikatherapie und ABS ist jedoch nicht für alle Fälle nachgewiesen.
Quelle: Gubbels MM et al., 2021; PMID: 33887125.

35. Kann Eigenbrauersyndrom die Leber schädigen?

Die mögliche Bedeutung chronischer endogener Ethanolproduktion für die Leber wird aktuell untersucht. Ob und in welchem Umfang ABS langfristig zur Entwicklung oder Verschlechterung von Lebererkrankungen beiträgt, ist noch nicht abschließend geklärt.
Quelle: Stamation R et al., 2025; PMID: 39853762.

36. Kann Eigenbrauersyndrom Bauchschmerzen verursachen?

Gastrointestinale Beschwerden einschließlich Bauchbeschwerden wurden in Fallberichten beschrieben. Bauchschmerzen sind jedoch unspezifisch und reichen allein nicht zur Diagnose aus.
Quelle: Raithel M et al., 2026; PMID: 41862195.

37. Kann Eigenbrauersyndrom Blähungen verursachen?

Blähungen und andere gastrointestinale Beschwerden können begleitend auftreten. Sie sind jedoch keine spezifischen Symptome des Eigenbrauersyndroms.
Quelle: Elkhateeb O et al., 2020; PMID: 33209539.

38. Kann Eigenbrauersyndrom mit Reizdarm verwechselt werden?

Ja. Gastrointestinale Symptome wie Blähungen, Bauchbeschwerden oder veränderte Stuhlgewohnheiten können auch bei zahlreichen anderen Erkrankungen auftreten.
Quelle: Paramsothy J et al., 2023; PMID: 37206535.

39. Welcher Arzt behandelt Eigenbrauersyndrom?

Die Diagnostik sollte insbesondere gastroenterologisch und internistisch erfolgen. Je nach Befund können zusätzlich Mikrobiologie, Infektiologie, Hepatologie oder andere Fachrichtungen beteiligt sein.
Quelle: Cordell BJ, 2025; PMID: 40702625.

40. Was sollte man bei Verdacht auf Eigenbrauersyndrom tun?

Bei wiederholten Symptomen einer Alkoholisierung ohne plausiblen Alkoholkonsum sollte zunächst eine ärztliche Abklärung erfolgen. Wichtig sind eine genaue Anamnese, der Ausschluss anderer Ursachen und gegebenenfalls eine kontrollierte Untersuchung der endogenen Ethanolproduktion.
Quelle: Raithel M et al., 2026; PMID: 41862195.


Eigenbrauersyndrom – kurz zusammengefasst

Das Eigenbrauersyndrom (Auto-Brewery Syndrome) ist ein sehr seltenes Krankheitsbild, bei dem Mikroorganismen im Verdauungstrakt Kohlenhydrate zu Ethanol fermentieren. Dadurch können ohne Alkoholkonsum messbare Alkoholspiegel und Symptome einer Alkoholisierung entstehen.

Für die Diagnostik sind eine sorgfältige Anamnese, der Ausschluss anderer Ursachen und gegebenenfalls eine kontrollierte Kohlenhydratprovokation mit wiederholten Ethanolmessungen entscheidend.

Die Behandlung richtet sich nach der individuellen Ursache und kann eine Kohlenhydratreduktion, gezielte antimykotische oder antibiotische Behandlung sowie die Therapie zugrunde liegender Erkrankungen umfassen. Aufgrund der Seltenheit des Syndroms gibt es bislang keine einheitlich etablierte Standardtherapie.

Quelle: Raithel M et al., 2026; PMID: 41862195.

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Medizinisch geprüft von Prof. Dr. Martin Storr, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie. Update 26.8.2026

Prof. Dr. Martin Storr ist nationaler und internationaler Experte zu den Themen FODMAP (PMID34891206, PMID30542869, PMID27119689, PMID2490888), Reizdarm (PMID39589118, PMID22783191, PMID41991876), Stuhltransplantation (PMID33744169, PMID37187187), Herausgeber von medizinischen Leitlinien (PMID42095009, PMID28507746) und Autor von zahlreichen Sachbüchern.