Medizinisch geprüft von: Prof. Dr. med. Martin Storr
Letzte Aktualisierung: Juni 2026
Was ist eine Stuhltransplantation?
Die Stuhltransplantation, auch fäkaler Mikrobiomtransfer (FMT) genannt, ist ein Verfahren zur Wiederherstellung einer gesunden Darmflora. Hierbei wird eine speziell aufbereitete Spenderstuhlprobe in den Darm eines Patienten übertragen, um die natürliche Zusammensetzung der Darmbakterien wiederherzustellen.
Die Therapie wird insbesondere bei wiederkehrenden Infektionen mit Clostridioides difficile eingesetzt. Diese Infektionen können nach Antibiotikabehandlungen auftreten und zu schweren Durchfällen, Krankenhausaufenthalten und einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität führen.
Im Zentrum für Endoskopie in Starnberg wird die Stuhltransplantation seit vielen Jahren durchgeführt und wissenschaftlich begleitet. Die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Martin Storr entwickelte dabei ein eigenes Behandlungskonzept, die sogenannte „Starnberger Methode”. (Zentrum für Endoskopie)
Ausführliche Informationen zur Stuhltransplantation finden sie auf der wissenschaftlichen Hauptseite zur Stuhltransplantation.
Wann kommt eine Stuhltransplantation infrage?
Eine Stuhltransplantation wird vor allem bei rezidivierenden (wiederkehrenden) Clostridioides-difficile-Infektionen eingesetzt.
Von einem Rezidiv spricht man, wenn die Beschwerden nach zunächst erfolgreicher Behandlung erneut auftreten. Dies kann trotz leitliniengerechter Antibiotikatherapie vorkommen.
Typische Beschwerden sind:
- häufige Durchfälle,
- Bauchschmerzen,
- Fieber,
- allgemeine Schwäche,
- Flüssigkeitsverlust,
- Gewichtsabnahme.
Bei mehrfachen Rückfällen kann eine Stuhltransplantation eine wirksame Therapieoption darstellen.
Nach Angaben des Endoskopiezentrums Starnberg sehen Behandlungsleitlinien bei multiplen Rezidiven einen fäkalen Mikrobiomtransfer vor. (Zentrum für Endoskopie)
Was ist Clostridioides difficile?
Clostridioides difficile ist ein Bakterium, das schwere Darmentzündungen verursachen kann.
Besonders gefährdet sind:
- ältere Menschen,
- Patienten nach Antibiotikatherapie,
- Personen mit geschwächtem Immunsystem,
- Patienten nach längeren Krankenhausaufenthalten.
Nach einer Antibiotikabehandlung kann die natürliche Darmflora gestört sein. Dadurch erhält Clostridioides difficile die Möglichkeit, sich stark zu vermehren und krankmachende Toxine zu bilden.
Nach erfolgreicher Antibiotikatherapie kommt es bei einem Teil der Patienten erneut zu einer Infektion. Auf der Website des Endoskopiezentrums wird angegeben, dass etwa 25 % der Patienten ein Rezidiv entwickeln können. (Zentrum für Endoskopie)
Wie funktioniert eine Stuhltransplantation?
Die Darmflora besteht aus Milliarden von Mikroorganismen, die wichtige Aufgaben erfüllen.
Dazu gehören:
- Unterstützung der Verdauung,
- Schutz vor krankmachenden Keimen,
- Einfluss auf das Immunsystem,
- Stabilisierung der Darmbarriere.
Bei einer Stuhltransplantation wird die gestörte Darmflora durch die Übertragung einer gesunden Bakteriengemeinschaft ersetzt.
Ziel der Behandlung ist es,
- die natürliche Vielfalt des Mikrobioms wiederherzustellen,
- die erneute Ausbreitung von Clostridioides difficile zu verhindern,
- die Beschwerden dauerhaft zu beseitigen.
Wie läuft die Behandlung ab?
Erstgespräch
Zu Beginn erfolgt eine ausführliche gastroenterologische Beratung.
Dabei werden unter anderem besprochen:
- bisherige Krankheitsverläufe,
- durchgeführte Antibiotikatherapien,
- vorhandene Befunde,
- Nutzen und mögliche Risiken der Behandlung.
Vorbereitung
Vor der Durchführung werden die notwendigen Voruntersuchungen geplant.
Je nach individueller Situation können hierzu gehören:
- Laboruntersuchungen,
- Sichtung mikrobiologischer Befunde,
- Vorbereitung des Darms.
Auswahl der Spenderprobe
Die verwendeten Spenderproben unterliegen strengen Untersuchungen.
Ziel ist es, das Risiko einer Übertragung von Infektionen möglichst gering zu halten.
Durchführung
Die Übertragung des aufbereiteten Mikrobioms erfolgt häufig im Rahmen einer Darmspiegelung.
Die Behandlung wird durch erfahrene gastroenterologische Spezialisten durchgeführt.
Nachsorge
Nach der Behandlung erfolgen Verlaufskontrollen.
Dabei wird beurteilt,
- ob die Beschwerden zurückgegangen sind,
- ob weitere Maßnahmen erforderlich sind,
- wie sich der langfristige Therapieerfolg entwickelt.
Die Starnberger Methode
Im Zentrum für Endoskopie Starnberg wurde ein eigenes Verfahren des Mikrobiomtransfers entwickelt, das als „Starnberger Methode” bezeichnet wird.
Nach Angaben der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Martin Storr handelt es sich um einen bidirektionalen Mikrobiomtransfer, der in wissenschaftlichen Untersuchungen analysiert wurde. (Zentrum für Endoskopie)
Die Autoren berichten, dass sich die Therapieerfolge je nach eingesetzter Technik deutlich unterscheiden können. Die publizierten Daten legen nahe, dass der bidirektionale Ansatz mit hohen Erfolgsraten assoziiert sein kann. (Zentrum für Endoskopie)
Die wissenschaftliche Begleitung dieser Methode stellt ein besonderes Merkmal des Starnberger Konzepts dar.
Wissenschaftliche Begleitung
Die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Martin Storr beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Mikrobiomtransfer.
Auf der Website werden unter anderem Veröffentlichungen genannt in:
- dem Deutschen Ärzteblatt,
- Digestive and Liver Disease,
- der Deutschen Medizinischen Wochenschrift. (Zentrum für Endoskopie)
Die Verbindung aus praktischer Erfahrung und wissenschaftlicher Evaluation ist insbesondere im Bereich innovativer Therapieverfahren von großer Bedeutung.
Welche Vorteile kann eine erfolgreiche Behandlung bieten?
Bei Patienten mit wiederkehrenden Clostridioides-difficile-Infektionen kann eine erfolgreiche Therapie dazu beitragen,
- erneute Durchfallepisoden zu verhindern,
- Krankenhausaufenthalte zu reduzieren,
- die Lebensqualität zu verbessern,
- die Notwendigkeit weiterer Antibiotikatherapien zu verringern.
Ob diese Vorteile im individuellen Fall zu erwarten sind, muss ärztlich beurteilt werden.
Risiken und Nebenwirkungen
Wie jede medizinische Behandlung ist auch die Stuhltransplantation mit möglichen Risiken verbunden.
Hierzu können gehören:
- vorübergehende Bauchschmerzen,
- Blähungen,
- Übelkeit,
- Durchfall,
- selten Komplikationen im Zusammenhang mit der Darmspiegelung.
Vor jeder Behandlung erfolgt daher eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung sowie eine umfassende ärztliche Aufklärung.
Werden auch andere Erkrankungen behandelt?
Die derzeit am besten untersuchte Anwendung der Stuhltransplantation ist die Behandlung wiederkehrender Clostridioides-difficile-Infektionen.
Auf der Website des Endoskopiezentrums wird darauf hingewiesen, dass andere Einsatzgebiete derzeit als experimentell anzusehen sind. (Zentrum für Endoskopie)
Ob eine Behandlung außerhalb der etablierten Indikationen sinnvoll ist, sollte ausschließlich im Rahmen einer individuellen fachärztlichen Beratung entschieden werden.
Häufig gestellte Fragen
Ist eine Stuhltransplantation schmerzhaft?
Die Behandlung erfolgt häufig im Rahmen einer Darmspiegelung und wird von vielen Patienten gut toleriert.
Wie lange dauert die Behandlung?
Die eigentliche Durchführung nimmt meist nur kurze Zeit in Anspruch. Hinzu kommen Voruntersuchungen und Nachsorge.
Wer kommt für eine Stuhltransplantation infrage?
Insbesondere Patienten mit mehrfach wiederkehrenden Clostridioides-difficile-Infektionen können für diese Therapie infrage kommen.
Benötige ich eine Überweisung?
Welche Unterlagen benötigt werden, sollte im Rahmen der Terminvereinbarung geklärt werden.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Die Kostenübernahme hängt von der jeweiligen Situation und dem individuellen Versicherungsverhältnis ab. Eine persönliche Beratung wird empfohlen.
Wie hoch sind die Erfolgsaussichten?
Die Erfolgsaussichten hängen von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Grunderkrankung, die Zahl vorheriger Rückfälle und die gewählte Behandlungsmethode. Die wissenschaftliche Literatur zeigt insbesondere bei rezidivierenden Clostridioides-difficile-Infektionen vielversprechende Ergebnisse.
Über den Autor
Prof. Dr. med. Martin Storr ist Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie am Zentrum für Endoskopie in Starnberg.
Zu seinen Schwerpunkten gehören die Gastroenterologie, Endoskopie sowie funktionelle und entzündliche Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts. Er war unter anderem an nationalen Leitlinien beteiligt, ist wissenschaftlich publizierend tätig und engagiert sich seit vielen Jahren im Bereich des Mikrobiomtransfers. (Zentrum für Endoskopie)
Kontakt und Terminvereinbarung
Patienten mit wiederkehrenden Infektionen durch Clostridioides difficile, die sich über die Möglichkeit einer Stuhltransplantation informieren möchten, können sich an das Zentrum für Endoskopie in Starnberg wenden.
Für eine möglichst rasche Bearbeitung sollten vorhandene Arztbriefe, mikrobiologische Befunde und Angaben zu bisherigen Behandlungen bereitgehalten werden.